Zur Belohnung gab´s Feigen. Besteigung des Guajara (2.718m) in Teneriffa

Zur Belohnung gab´s Feigen. Besteigung des Guajara (2.718m) in Teneriffa

Im Teide Nationalpark auf Teneriffa gibt es zahlreiche spannende Touren, die jeweils eine ganz eigene Sicht auf die Lavalandschaft darbieten. Meine erste Wanderung führt mich auf den Guajara (2.718m). Man erkennt ihn sofort aufgrund seiner markanten Form. Mich hat er irgendwie an einen Weihnachtsstollen erinnert. Vielleicht, weil ich nicht genug gefrühstückt hatte und Weihnachten wie jedes Jahr ganz plötzlich vor der Tür steht, wer weiß. Die über 2.000er Höhe flößte mir ordentlich Respekt ein, war ich doch dieses Jahr eher weniger in luftigen Höhen unterwegs. Lauft Rother Wanderführer wartet aber auf den Wanderer ein grandioses Bergerlebnis, so dass ich mich einfach darauf eingelassen habe.

Gutes Timing für die beste Aussicht auf dem Guajara

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Man kann diesen Prachtgipfel von zwei Seiten besteigen: Einmal direkt aus dem Nationalpark, vom Parador Nacional. Dann legt man rund 650 Höhenmeter hinter sich. Die Ambitionierten starten von der anderen Seite in dem Bergdorf Vilaflor und nehmen damit 1.500 Höhenmeter in Kauf. Ich habe mich für Variante 1 entschieden: weniger Höhenmeter und Aussicht auf leckeren Kuchen auf der Terrasse des Touristenzentrums im Parador nach erfolgreichem Ende der Tour.

Aufgeregt wie ich bin, starte ich ganz früh mit den ersten Sonnenstrahlen. Zunächst folge ich einem breiten Fahrtweg bis zum eigentlichen Aufstieg und kann so bereits das grandiose Panorama des Guajara genießen. Was für eine Kulisse. Hier könnte man auch Star Wars drehen. Wie sich herausstellt bin ich nicht allein, eine Gruppe junger Spanier hat sich ebenfalls für den frühen Aufstieg entschieden. Der eigentliche Anstieg ist unspektakulärer als erwartet.

aufstieg-guajara_teneriffaEin relativ normaler Pfad schraubt sich langsam nach oben bis zu dem Pass auf 2.300m. Ein Blick zurück lässt das müde Auge auf den Teide und die Weite der Sand- und Lavalandschaft des Nationalparkes schweifen. Der Aufstieg hat sich mal richtig gelohnt. Ich merke so langsam die Höhe, gepaart mit meiner mangelnden Kondition und mache ein kleines Päuschen. Langsam wird’s voll – ich beobachte noch 4 weitere Wanderer, die sich nach uns den Weg in die Höhe bahnen. So beschließe ich, meinen Weg schnell fortzuführen.

nebel-guajara_teneriffaAußerdem scheint sich das Wetter zu ändern: Dicke Nebelschwaden sind im Anmarsch. Ins Tal kann man so leider nicht schauen. Wie ich bei meinen weiteren Wanderungen feststelle, ist das Wetter hier ein Phänomen.

Das Tal liegt die meiste Zeit unter Passatwolken verborgen, diese türmen sich Richtung Nachmittag immer weiter auf, so dass man Vormittags die beste Sicht hat. Timing ist eben alles.

Mufflon-Jagd-Panik und Gipfelfreuden

Ich habe durch meine kleine Pause neue Kraft geschöpft und ziehe das Tempo etwas an. Der Weg ist gut und führt am Bergrücken entlang. Das er leicht abfällt, stört mich am Anfang gar nicht. Was mich allerdings wundert ist, dass die anderen Wanderer hinter mir irgendwie verschwunden sind. Als ich nach einer halben Stunde schnellen Wanderns immer noch nicht beim Aufstieg bin, sondern der Weg einfach nur noch Abwärts führt, muss ich der Tatsache ins Auge blicken: Ich bin falsch abgebogen und habe mich verlaufen.

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Na toll. Das bedeutet also zum eigentlichen Gipfelanstieg, jetzt noch eine halbe Stunde zusätzlichen Aufstieg. Nützt ja nichts, ich mache kehrt und nehme mir vor, jetzt etwas langsamer zu gehen. Da fällt mir ein Schild mitten auf dem Weg auf, welches von oben nicht lesbar war: Hier wird vor Mufflon-Jagd gewarnt. Es ist auf spanisch, ich verstehe nur die Hälfte. Aber zumindest soviel, dass man hier nicht langgehen soll während der Jagd. Leichte Panik steigt in mir auf. Jetzt habe ich mich nicht nur verlaufen, sondern werde vielleicht auch noch erschossen, weil man mich fälschlicherweise für ein Mufflon hält. Also doch wieder Tempo hochschrauben und schnell aus der Gefahrenzone raus.

Ich brauche über eine halbe Stunde, um an der Wegkreuzung abzubiegen, die zum Gipfel führt. Ich bin fix und alle und muss erstmal pausieren. Ich sitze kaum 2 Minuten, da kommen zwei Damen angewandert. Sie schauen irritiert auf ihre Wanderkarte und wissen auch nicht weiter. Es geht also offensichtlich nicht nur mir so. Ich kann ihnen zumindest sagen, wo es nicht langgeht. Wir studieren zusammen die Karte und entscheiden uns für einen unscheinbaren Pfad. So wirklich markiert ist der nicht, zumindest nicht so, wie man es aus dem Alpenvorland gewohnt ist.

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Wie sich herausstellt, kommen die beiden Damen aus München (das ist ja ein Zufall). Wir treffen uns schließlich auf dem Gipfel wieder. Der von uns gewählte Pfad stellt sich als richtig heraus.
Hier oben ist plötzlich ordentlich was los, lauter Deutsche und die spanische Wandergruppe von heute früh. Die beiden Damen sind so froh, dass sie keine Extra-Schleife drehen mussten, dass sie mir großzügig von ihrem in Tupperdosen verstauten Proviant abgeben. Ich entscheide mich für Feigen und Nüsse und versuche dabei nicht wegzufliegen. Der Sturm ist am Gipfel recht stark. Die letzten Mauer-Überreste der Hütte, die mal auf dem Gipfel stand, gibt nur leichten Wetterschutz. Nach einer ausgiebigen Fotosession trete ich schließlich den Rückweg an und genieße das phänomenale Panorama.

One Comment

  1. Tobi

    Auf dem Guajara waren wir Weihnachten 2011 🙂 Die Aussicht dort oben auf den Teide war schon genial. Bei uns war es allerdings super leer – alle waren wahrscheinlich im Weihnachtsstress…

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