Zingst: Kindheitserinnerungen und (fast) ein Triathlontraining

Zingst: Kindheitserinnerungen und (fast) ein Triathlontraining

Sand im Gesicht und auch sonst überall, Sonne aufm Kopp, nasse Füße, Schaufel in der Hand – so habe ich in sehr jungen Jahren meine Sommerferien am Ostseestrand verbracht. Vor einiger Zeit habe ich Berge gegen Strand eingetauscht, um mal wieder etwas Seeluft auf der Halbinsel Zingst im gleichnamigen Ostseeheilbad zu schnuppern.

Ostsee-Impressionen – Damals und heute

Foto 3Als ich so am Strand stehe und an mir runterschaue stelle ich fest: Im Prinzip hat sich an dem damaligen Zustand kaum was geändert. Ich trage die Sonnencreme immer noch zu dick auf, so das der Sand kleben bleibt. Die Sonne scheint, der Wind zerstrubbelt in kürzester Zeit meine Haare. Nur mein Bikini-Oberteil ist ausgefüllter als damals und statt Schaufel hab ich ein iPhone in der Hand.

Ich baue auch keine Sand-Burgen mehr, sondern mache Strand-Selfies. Ein bisschen seltsam ist es schon, wie bestimmte Orte oder auch Gerüche sich einprägen und Erinnerungen wieder hochspülen. Ich konnte schon damals nie lange still sitzen am Strand und bin die ganze Zeit mit wechselnder Erwachsener Begleitung den Strand hoch- und runter stolziert. Mach ich heute auch, nur mit einem erweiterten Zielradius. Damals war ich häufig auf der Suche nach dem nächsten Eisstand und jemanden zum Spielen. Heute werfe ich dann doch auch einen Blick auf die Umgebung und überleg mir kleine Touren, während ich mein selbst bezahltes Eis schlecke.

An Zingst selbst erinnere ich mich kaum, es wurde aber ziemlich modernisiert. Der Charme eines kleinen Fischerdörfchens ist leider abhanden gekommen. Dafür wird jede Menge Kultur geboten: Das Umweltfotofestival ist in vollem Gange. Überall kann man überlebensgroße Naturfotografien bestaunen, oder an Fotoevents teilnehmen. Hat was. Und wirkt sich auch auf das Klientel aus: Schon morgens bei meiner Strandrunde muss ich über bäuchlings auf dem Strand positionierte Amateurfotografen steigen, die versuchen eine Möwe abzulichten. Vorne Wasser, im Hintergrund ein fotografisches Werk eines eruptierenden Vulkans. Ein bizarres Schauspiel.

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Hinter der Seebrücke laufe ich an einer jungen Familie vorbei. Der Nachwuchs läuft nur mit Sonnenmützchen bekleidet und Schaufel in der Hand wie vom Piranha gebissen um einen schiefen Sandhaufen. Der Vater immer hinterher. Ja, dieses Bild kommt mir doch vertrauter vor.

Mein Strandtraining – fast ein Triathlon

FullSizeRender (39)Nachdem ich meine Eindrücke verarbeitet und schon diverse Fischbrötchenstände ausprobiert habe, geht´s ans Training.

Ich bin schließlich von Haus aus ein Aktivurlauber, immer auf der Suche nach der nächsten Eisdiele. Ach nein, nach einer schönen Strecke. Naja, beides vielleicht. Keine Berge? Macht nix, denke ich mir, schnalle meine neongelben Asics unter und laufe frohen Mutes Richtung Strand. In meiner Vorstellung ist es ganz toll, am Strand bei Urlaubskulisse zu laufen.

IMG_2313Nach 10 Minuten pruste ich wie der erste Mensch bei seinen Gehversuchen. Hat mir ja keiner gesagt, dass laufen bei Gegenwind im Sand, der unaufhörlich unter meinen Hightech-Schuhen nachgibt, so anstrengend ist. Nach 5 km gebe ich auf. Habe auch nur geringfügig länger gebraucht als sonst *hüstel*. Zurück trabe ich von der Seebrücke auf dem Hochwasserschutzdeich durch die Tourimenge. Die schauen mich alle ein bisschen verdutzt an – haben wohl noch nie einen Sportler in Action gesehen.

FullSizeRender (40)Abends dann das Ergänzungsprogramm: Ich schwinge mich auf einen Drahtesel und radele die Küste ab. Das Rad, dass uns unsere Gastherberge zur Verfügung stellt, hat zum Glück auch nur drei Gänge, das erhöht den Trainingseffekt. Ich mache zwei schöne 30km Runden. Als ich am Darßer Ort ein kleines Verschnaufpäuschen einlege, wird mir erst richtig die Dimension meines Urlaubs-Trainings bewusst: Laufen, Radeln? Da fehlt ja nur noch Wasser… Gedacht, getan – ich laufe lachend ins Wasser. Bis zu den Knien. So schnell wie ich drin bin, bin ich dann auch schon wieder draußen. Das ist zu kalt, ich bin eben doch ein Mädchen.

Gut, fehlt mir eben der Schwimmteil. Und ich habe Pausen zwischen Laufen und Radeln gemacht. Aber hey – jeder Triathlet hat mal klein angefangen, was nicht ist, kann ja noch werden. Ich bin jedenfalls zufrieden mit meinem kleinen, aber feinen Urlaubstraining unter dem Motto „Sport und dabei die Region erkunden“.

Locationstipps Zingst – meine Highlights

  • Darßer Ort – ich bin ein großer Fan von Leuchttürmen, daher führte mich einer meiner Radltouren zum Darßer Ort. Den Leuchtturm kann man besteigen. Zusätzlich könnt ihr das Natureum besichtigen. Wer einfach nur wandern möchte, kann hier ausgedehnte Strandspaziergänge unternehmen, oder auf den angelegten Wegen den Nationalpark erkunden. Mit etwas Glück laufen euch Hirsche oder Füchse vor die Linse.
  • Ganz im Osten, also am anderen Ende der Halbinsel liegt der Pramort. Von einer Aussichtsplattform aus hat man an guten Tagen Sicht bis zur Insel Hiddensee. Bis zur Sundischen Wiese kann man fahren, dann heißt´s ab aufs Radl. Der selbstgebackene Kuchen im Biergarten des Hotelschlösschens dort ist übrigens der Hammer!
  • FullSizeRender (44)Fragt mich nicht nach dem warum, aber ich mag Seebrücken. Mir hat die Seebrücke von Prerow noch etwas mehr zugesagt als die von Zingst. Lag vielleicht auch daran, dass ich mit einem Hugo in der Hand begleitet von dem Singsang eines Akkordeonspielers in den Sonnenuntergang geschritten bin. Oder an den ganzen Büdchen und dem regen aber unaufgeregten Treiben auf der Brücke. Ich weiß auch nicht, zumindest ist auf den Brücken meistens was los, man hat eine schöne Brise um die Nase und kann Möwen beobachten.
  • Wer schonmal auf einer Halbinsel verweilt, sollte natürlich auch die andere Seite, sprich den Bodden mitnehmen, z.B. bei einer Boddenrundfahrt oder einfach einem Besuch des Zingster Hafens. Wie auf der Website beschrieben, ist es tatsächlich sehr idyllisch und lädt ein, sich einfach mal mit einem kühlen Getränk in einem der Hafencafes zu setzen und das geschäftige Treiben zu beobachten.
  • Wer noch mehr Bodden will, dem sei das Boddenstädtchen Bresewitz als Radlausflug ans Herz gelegt.

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