Ganz in Weiß: Der Baumgartenschneid im Winter

Ganz in Weiß: Der Baumgartenschneid im Winter

Es ist eine der Klassiker-Touren schlechthin: Die Wanderung vom Tegernsee zum Schliersee über den Baumgartenschneid. Sie zählt zu meinen allerersten Touren in den Münchener Hausbergen, da sie technisch sehr einfach ist und nicht allzu viele Höhenmeter vorweist.

Daher war ich auch erst skeptisch, als eine Freundin einen winterlichen Spaziergang über den Baumgartenschneid vorgeschlagen hat. Da es aber schon einige Zeit her ist, dass ich am Tegernsee wanderte und die Neureuth ein leckeres Getränk versprach, ließ ich mich schließlich erneut auf das Tegernsee-Schliersee-Abenteuer ein und wurde nicht enttäuscht.

Erhöhte Trainingsschwierigkeit mit Kneipptreten im Schnee

Tegernsee_2Ich nehme das Ganze einfach als Trainingseinheit, denke ich bei mir. Schließlich lassen sich meine diesjährigen Bergerfahrungen an zwei Fingern abzählen und das muss dringend geändert werden. Das Trainingsfeeling kommt schneller als geplant. Es dauert nicht lange, da stapfen wir knöchelhoch später fast kniehoch im Schnee. Das fühlt sich an wie Kneipptreten nur irgendwie kühler.

Typisch Mädchen finden wir erst den Weg gar nicht so richtig – von wegen easy Tour, bei der wir keine Karte brauchen. Irgendwie hab ich die Wegführung anders in Erinnerung. Das macht die Sache fast schon abenteuerlich. Aber wir haben Glück, wir finden den Weg zum Schliersee schließlich noch. Gut, den Abzweig zum Baumgartenschneid lassen wir rechts liegen und nehmen den direkten Weg. Das wir den ursprünglich geplanten Pfad nicht gefunden haben, erwähnen wir an dieser Stelle natürlich nicht.

So haben wir auch viel mehr Zeit, das Tegernsee Panorama bei einem Likörchen und Mädelsgesprächen zu genießen. Ein Traum. Das Wetter meint es auch gut mit uns. Während die Füße langsam nass werden, fangen unsere Köpfe an zu dampfen. Das wird fast der erste Sonnenbrand in diesem Jahr, so stark scheint die Sonne auf unsere zerzausten Frisuren.

Herzklopfen beim Anblick des Wendelstein-Massivs

Tegernsee_3Als wir uns dann endlich durch knietiefen Schnee auf die andere Seite, also Richtung des Schliersees gearbeitet haben, begann mein Herz wie wild zu klopfen. Das lag zum Teil auch daran, dass ich gerad einfach noch nicht so ganz in Bergform bin.

Aber hauptsächlich freute sich mein Bergsteiger-Ich wie ein kleines Kind über das Bergpanorama was sich direkt vor uns ausbreitete. Was für ein Anblick – die schneebedeckten Gipfel des Wendelsteinmassivs liegen wie schlafende Riesen vor uns.

Tegernsee_5Vergessen ist der ganze Schnee, der sich mittlerweile auch in meine Bergschuhe geschmuggelt hat. Vergessen haben wir plötzlich auch, dass wir die Strecke eigentlich in weniger als 4 Stunden gehen wollten, denn jetzt ist erstmal Selfie-Time! Soviel Zeit muss sein.

Uns überholen einige Schneeschuhwanderer – hmm, für hier oben ist das tatsächlich eine gute Idee. Aber ich beneide sie definitiv nicht darum, dass sie die Schneeschuhe 2/3 der Strecke schleppen müssen. Mir reicht der Trainingseffekt auch so – mit dem ganzen auf und ab schaffen wir es letztlich doch auf 800 Höhenmeter auf dem Tacho. Das kann sich doch sehen lassen.

 

Fazit: Die Neuentdeckung bekannt geglaubter Strecken lohnt sich doch!

Tegernsee_4Ich bin so froh, dass ich diese Tour auch einmal im Winter genießen durfte! Wieder einmal hat sich gezeigt, dass es sich lohnt auch bereits bekanntes Terrain nochmals aus anderer Perspektive – in diesem Fall in einer anderen Saison – zu erkunden. Die Chance, dass es ein ganz neues Erlebnis wird, ist sehr hoch. Man muss sich eben nur darauf einlassen.

Ich finde übrigens die gewählte Richtung vom Tegernsee zum Schliersee perfekt. So haben wir beim gesamten Abstieg das Bergpanorama vor der Nase. Plant am besten etwas mehr Zeit ein. Andersherum geht’s sicher schneller, dafür ist der Blick auch nur halb so spektakulär.

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