Schlutzkrapfen statt Hüttenbrote – Sportlich durch Bozen (I)

Schlutzkrapfen statt Hüttenbrote – Sportlich durch Bozen (I)

Wir haben lange mit uns gerungen, aber manchmal muss dann eben doch ein Alternativplan aus dem Hut gezaubert werden: Auf unserer Wander-Agenda stand eigentlich die Karwendeldurchquerung. Fünf Tage wandern mit einigen Höhenmetern und Hüttenübernachtung, darauf freuten sich meine Freundin Susi und ich schon länger. Doch leider haben wir unsere Pläne ohne Petrus gemacht: Regen und Gewitter standen auf seinem Programm. Als die Vorhersage dann auch noch kalte Temperaturen von 6 Grad am Berg versprach, war bei uns der Ofen aus. Plan B musste her und zwar schnell. So entschieden wir uns einen Tag vor Abreise lieber in südlichere Gefilde zu reisen. Unsere Wahl fiel auf Bozen – nicht zu weit weg, mit dem Fernbus erreichbar und potenziell wärmer. Wunderbar, der Kurzurlaub schien gerettet.

Abendlicher Erkundungslauf entlang der Etsch

thumb_IMGP6489_1024Insgeheim dachte ich mir, dass ein gechillter Aufenthalt in Bozen vermutlich bei meiner derzeit nicht ganz so ausgeprägten Kondition durchaus besser wäre als eine mehrtägige Wanderung. Da ahnte ich allerdings noch nicht, dass wir gleich am Anreisetag den Alternativort mit dem alternativen Sportprogramm erkunden.

Eine kleine Runde laufen? Na klar, warum nicht. Aber erst zum Domplatz und akklimatisieren mit einem Hugo. Schnell stellen wir fest, dass die Stadt Flair hat und uns beiden sehr gefällt. Um die angedachte Laufrunde komme ich trotzdem nicht drumrum. Was für meine Freundin ganz normales Sportpensum ist, kostet mich schon etwas Überwindung. Das lass ich mir natürlich nicht anmerken, schnüre tapfer meine pinken Laufschuhe und versuche ein möglichst entspanntes Gesicht beim Rennen zu machen.

IMG-20160619-WA0003-01 KopieDas Ufer der Etsch ist wirklich sehr idyllisch und für einen abendlichen run sehr geeignet. Vorbei an zahlreichen Spielplätzen nähern wir uns dem Stadtende, welches von einigen Sportplätzen umgeben ist. Sport scheint also für die Bewohner von Bozen durchaus dazu zu gehören. Es geht besser als gedacht, ich kann halbwegs mit Susi mithalten. Als sie mir von ihrem Vorhaben an einem Berglauf teilzunehmen berichtet, höre ich mich sagen, dass wir ja gleich hier in den Weinbergen trainieren können.

thumb_IMGP6579_1024Und prompt läuft meine Sportskanonen-Freundin den plötzlich vor uns liegenden Weinberg hoch, während ich tapfer hinterher strong walke. Hätte ich bloß nichts gesagt. Das ganze Spiel treiben wir bis zu einer kleinen romantischen Kirche, die inmitten des Weinberges thront. Während ich noch um Atmen ringe, genießen wir gleichzeitig unseren ersten Blick auf Bozen. Einfach wunderschön, was für eine Abendrunde. Die Mühe hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Wahnsinnig erschöpft (das trifft zumindest auf mich zu) aber auch glücklich erreichen wir irgendwann unser Apartment. Ich habe ein bisschen Angst, dass ich mich am nächsten Tag vor Muskelkater nicht mehr bewegen kann, freue mich aber trotzdem schon auf die bevorstehende Tour.

Weinbergwanderung – Timing ist alles!

thumb_IMGP6506_1024

Da das Wetter für unseren ersten Wandertag auch für Bozen nicht ganz optimal angesagt ist, beschließen wir es langsam angehen zu lassen und eine kleine Tour durch die Weinberge nach Jenesien zu unternehmen. Zum Glück habe ich doch noch keinen Muskelkater von unserem ungeplanten Bergwalk/lauf, so dass wir frohen Mutes nach einem ausgiebigen Frühstück aufbrechen.

Den Start der Tour kennen wir bereits – es geht wieder entlang dem Flussufer Richtung Gescheibter Turm. Unsere „kleine“ Tour entpuppt sich als 800 Höhenmeter Marsch mit seeeeehr steilem Anstieg. Schnell lassen wir Bozen hinter uns und schrauben uns in steilen Serpentinen durch die in den Weinbergen ansässigen Höfe. Wir sind die einzigen, die die schmale Straße entlanglaufen.

thumb_IMGP6521_1024Komisch. Vielleicht liegt es daran, dass man nach Jenesien auch ganz bequem per Seilbahn fahren kann. Dann verpasst man allerdings das besondere Flair der Weinberge, wann flaniert man schonmal durch ein Meer an Reben. Ich stelle alle 5 Meter fest, dass der Anstieg doch wirklich sehr steil ist und komme ordentlich aus der Puste. Aber immerhin haben wir unsere 800 Höhenmetern dann auch recht schnell hinter uns. Jenesien ist ein kleiner Bergort. Allerdings haben wir uns etwas mehr Idylle versprochen. Wir sind uns nicht ganz einig, woran es genau liegt, aber lange halten wir es in dem verschlafen Ort nicht auf und gehen im Grunde gleich weiter. Zudem verfolgt uns eine dunkle Wolkenwand, die so aussieht, als würde sie sich demnächst entleeren. Auf nass werden haben wir irgendwie keine Lust.

thumb_IMGP6523_1024Der Rückweg führt uns über weichen Waldboden hinunter zur Ruine Rafenstein. Gut, dass wir mit der Einkehr gewartet haben. Direkt vor der Ruine, wartet ein romantisches Weingut auf uns. Unser Timing hätte nicht besser ein können – kurz nachdem wir auf der Sonnentrasse einen Schirm aufgespannt haben, fängt es an zu regnen. Der Blick auf das Tal verrät, dass es dort gerade richtig ungemütlich wird, während wir uns auf der Höhe sogar noch über ein paar Sonnenstrahlen samt Kaiserschmarren und hauseigenen Wein freuen.

20160619_143526.01„Alles richtig gemacht!“ – wird zum Motto des Tages und auch der weiteren Reise. Wir genießen unsere wohlverdiente Köstlichkeit und werden nicht satt von dem Wolkenschauspiel, welches sich uns über den Bozner Hausbergen darbietet. Die Bedienung findet das nicht ganz so optimal – schließlich pendelt sie durch den Regen zwischen Wirtshausstube und unserem trockenen Schirm. Egal, da muss sie durch.

Wir brechen im Trockenen wieder auf und freuen uns noch lange über die schöne Tour und unser Glück. Abends merken wir dann doch die 15 Kilometer in unseren Beinen und beschließen den Tag ruhig bei Wein und Pasta in Bozen ausklingen zu lassen. Immerhin wartet unsere lange Tour auf das Rinnsteiner Horn am nächsten Tag auf uns. Aber dazu mehr im nächsten Beitrag. Da haben wir dann auch die erwähnten Schlutzkrapfen gegessen 🙂

4 Comments

  1. Jana Heinzelmann

    Tolle Bilder aus einer tollen Region! Wir waren schon viel in Südtirol wandern aber immer eher rund um Meran! Bei Bozen waren wir noch nicht so oft, haben jetzt aber richtig Lust darauf bekommen! Danke dafür! 🙂

    Reply

    • Karolin

      Danke dir! Ja, es gibt einige Wandermöglichkeiten für kleinere aber auch ausgedehnte Touren. Eine längere Bergtour aus der Region beschreibe ich im nächsten Beitrag. 🙂

  2. Karin

    Schöner Bericht! Das erinnert mich daran, dass ich unbedingt mal wieder nach Südtirol muss. 🙂

    LG, Karin

    Reply

    • Karolin

      Danke! Ja, da sollte man auf jeden Fall öfter hin 🙂

Leave a Reply

*