Paarungswillige Murmeltiere, Schnee und einsame Berghütten: Ostern am Achensee

Paarungswillige Murmeltiere, Schnee und einsame Berghütten: Ostern am Achensee

Ich erinnere mich dunkel daran, dass eines meiner ersten Bergerlebnisse auch zu Ostern stattfand. Das war vor knapp 7 Jahren. Wir stiefelten in Jeans und Turnschuhen auf den Jochberg. Mit viel zu viel Essen im Gepäck und dafür viel zu wenig Funktionskleidung an steckten wir bis zum Knie im Schnee.

Seitdem hat sich einiges geändert. Ich habe jetzt richtige Wanderschuhe, jede Menge Funktionskleidung und schaue mir vorher Wander-Region und die Wettervorhersage genau an. Ostern war ich seit längerem nicht unterwegs, so dass ich dieses Jahr das traditionelle Osterfamillienwochenende einfach vorverlegte und mir eine kleine Wanderauszeit am Achensee nahm.

Von Maurach auf die Erfurter Hütte

Am Achensee schlägt das Wanderherz einfach höher. Es gibt so viele wunderbare Touren. Selbst das nächtliche Aufstehen (der Wecker klingelte um 5 Uhr) schmälert meine Vorfreude nicht. Mit der Bob geht’s zum Tegernsee, von da aus weiter mit dem Bus. Was die Freude allerdings etwas getrübt hat, sind die dunklen Wolken, der fiese Regen, der gegen die Busscheibe prasselt und die noch fiesere Wettervorhersage. Ich checke im 10 Minuten-Takt den Wetterbericht, immer in der Hoffnung, dass es vielleicht doch noch besser wird. Als meine Laune gerade umschlagen will, passiert es dann plötzlich: Der Himmel über Maurach reißt auf, die Sonne strahlt mich an.

Selfie am AchenseeWas für ein Glück. Da ich erst aus einer längeren (unfreiwilligen) Sportpause komme, will ich es eigentlich langsam angehen lassen, zwei kleine Touren, eine größere sollen es sein.

Die Reihenfolge muss nun kurzerhand umgeplant werden. Ich checke in meine Homebase der nächsten Tage ein, und laufe gleich schnurstracks zum Wanderweg, der zur Erfurter Hütte führt. Das ist zwar eine lange Tour, aber sie startet nunmal fast direkt neben meiner Unterkunft. Das muss ich einfach ausnutzen.

Weg zur Erfurter Hütte

Die 900 Höhenmeter sollen laut Wanderführer in 2,5 Stunden abgewandert sein. Optimal. So stiefele ich in raschem Tempo los, es ist schließlich schon um 11 Uhr und dem Wetter traue ich irgendwie nicht. Nach schlappen 50 Höhenmetern merke ich dann, warum ich ursprünglich mit einer kleineren Tour starten wollte. Ich prustete und bekomme keine Luft mehr. Na toll, dass geht ja gut los. So drossele ich unfreiwillig das Tempo und bin insgeheim sehr froh darüber, das mich niemand dabei beobachtet. Der Weg an sich ist wunderbar, ein ganz normaler Steig. Aber eben ein Steig, der unermüdlich nach oben führt.

Das fröhliche Treiben fetter Murmeltiere

Murmeltiere

Als ich eine Almwiese mit Blick auf schneebedeckte Gipfel erreiche, erinnere ich mich wieder daran, warum ich diese Strapazen auf mich genommen habe. Klare Luft, wunderbare Sicht und vor allem Ruhe. Ein Traum, so habe ich mir das vorgestellt.

3 Murmeltiere

Suchbild: Wer findet die drei Murmeltiere?

Dann ein schriller Pfiff, das war`s dann wohl mit der Ruhe. Ich schaue mich um und frage mich, welcher Vogel diesen wohl von sich gegeben hat. Da erblicke ich sie: Eine ganze Horde wirklich wohlgenährter man könnte auch sagen fetter Murmeltiere. Die tollen zu zweit, zu dritt und auch in kleinen Rudelgrüppchen über die Wiese und waren offensichtlich in romantischer Stimmung. Den tut die klare Luft hier draußen wohl auch gut.

Als ich weitermarschieren will, erwische ich ein Exemplar, welches direkt neben dem Weg seinen Bau schmückt. Was für ein Naturerlebnis. Meine Anwesenheit stört sie nicht, scheine wohl etwas Murmeltierhaftes an mir zu haben. 🙂

Die letzten Höhenmeter sind wirklich hart für mich. Der Weg wird immer steiler, ein Pärchen überholt mich. Na klar, die tun noch nicht mal so aus, als würden sie ansatzweise schwitzen. Schneefelder, die immer größer werden, erschweren zusätzlich den Anstieg. Schnee ist nicht mein Element. Schon gar nicht, wenn meine Kondition noch nicht weiß, dass sie eigentlich da ist. Ich nehme mir eine letzte Abbiegung vor – wenn ich die erreiche, dann drehe ich um.

Zum Glück sehe ich hinter der Abbiegung mein Ziel: Die Erfurter Hütte.

Erfurter Hütte am Athensee

Von der Terrasse habe ich einen prima Überblick über den türkisfarbenen Achensee und die angrenzenden schneebedeckten, unter Wölkchen versteckten Gipfel. Dafür hat sich wirklich alles gelohnt, ich genieße den Ausblick und lasse mir die Sonne auf den Kopf scheinen, einfach paradiesisch.

Felsformation vor der Erfurter Hütte

Leider muss ich das ganze Stück auch wieder zurücklaufen. Dabei bin ich jetzt schon ziemlich groggy. Ich merke meine Beine jetzt schon, da ist es vielleicht sogar ganz gut, auch nochmal die andere Seite zu trainieren. Ich muss mich zumindest nicht beeilen, dass Wetter hält tatsächlich. Wieder zurück in meiner Unterkunft, merke ich die Schmerzen, die mir blühen. Beine, Hintern, Rücken – es gibt eigentlich nichts was nicht schmerzt. 900Höhenmeter nach Sportpause sind also keine gute Idee. Aber ich bereue nichts 🙂

Ich bin dann sogar noch zweimal los, aber davon berichte ich im nächsten Beitrag.

2 Comments

  1. Gerda

    Meine Enkelkinder lieben essen Murmeltiere zu entdecken und zu beobachten! Ein ganz tolles Erlebnis für die ganze Familie!
    LG aus dem Hotel Prissian!

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  2. Ich

    Hättest du mir gesagt, dass es dort ne Erfurter Hütte gibt, hätte ich doch nicht meine bucklige Verwandtschaft besuchen müssen 🙂 hab die 3 murmeltiere gefunden.

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