Outdoor-Krise! 8 Dinge, die mir geholfen haben

Outdoor-Krise! 8 Dinge, die mir geholfen haben

Wenn man einen Outdoor-Trip plant, dann denkt man über das Gewicht des Gepäcks nach, über die Route, über die Anreise und vielleicht im Scherz über wilde Tiere, die einem über den Weg laufen können. Ganz sicher habe ich nicht darüber nachgedacht, was auf meiner Fernwanderung alles passieren kann. Denn sind wir ehrlich, dass kann eine Menge sein. Ich bin mit dem nötigen Respekt vor der Route losgelaufen, aber das wirklich was passiert, nein, dass habe ich nicht gedacht.

Und dann erwischte mich auf meinem geplanten GR11 Trip leider der Super-Gau: Ich musste die Tour verletzungsbedingt viel zu früh abbrechen. Wegen einem Bänderriss, wie sich später herausstellen sollte. Einfach umgeknickt mitten in der spanischen Pampa, mitten im grünen Nirgendwo fernab der Zivilisation. Das war alles nicht so geplant, und ich wäre natürlich super gern noch viel weitergelaufen. Das habe ich auch weiterhin vor, nur offensichtlich sollte es jetzt einfach nicht sein.

GR11_Weggabelung
Und trotzdem habe ich den Kopf nicht in den Sand gesteckt, mache es auch im Nachgang nicht. Denn ich bin froh und dankbar, das alles so glimpflich ausgegangen ist. Diese 8 Dinge/Ereignisse haben mir sehr in der Krisen-Situation geholfen:

1) Erste Hilfe Kenntnisse und Ausrüstung

Ich bin froh darüber, dass ich das teure Leukotape und das mittelgroße Erste Hilfe Set dabei hatte. Für einen Aufenthalt fernab der Zivilisation reicht einfach die Miniausstattung nicht. Im Nachgang stellte sich heraus, dass meine spontane „Ich wickel die schmerzende Stelle möglichst dick ein“- Strategie genau die richtige war, um überhaupt weiterzukommen. Erst als ich den Verband abends wieder abgenommen habe, ging im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr. Mein Fuß ist auf die doppelte Größe angeschwollen und blau angelaufen. Ein paar erste Hilfe Kenntnisse (die ich vor meinem nächsten Ausflug definitiv auffrischen werde) und genügend Tape sollten auf jeden Fall immer im Gepäck sein.

2) Fokussieren und daran glauben, dass alles gut wird

GR11_WasserfallDas klingt jetzt etwas spirituell, ist es vielleicht auch. Aber wenn ich eines gelernt habe, dann dass es in der Krisen-Situation einfach nicht hilfreich ist, Trübsal zu blasen.  Nach dem ersten Schock und dem Check, dass alles zumindest noch halbwegs dran ist, gilt es die Tränen des Schmerzes schnell zu trocknen und einen kühlen Kopf zu bewahren. Sonst sieht man nämlich den Weg nicht und verletzt sich womöglich noch stärker. Alle Kräfte sammeln, auf das Ziel fokussieren und langsam weitermachen, wenn es sein muss sich auch laut gut zureden.

Das hab ich zumindest gemacht, war ja kein anderer da, der diese Aufgabe hätte übernehmen können. Ich weiß immer noch nicht, wie ich es unter Schmerzen geschafft habe, 800 Höhenmeter hochzuhumpeln um dann 2.000 Höhenmeter auf der anderen Seite in schwierigem Gelände wieder runterzukommen. Ein echter Höllentrip. Da gehört echte Willenskraft und ein geduldiger Schutzengel dazu. Es war wirklich hart, aber ich habe es geschafft und zwischendurch nicht aufgegeben.

3) Wanderkrücken – ähm Stöcke natürlich

Ich finde Wanderstöcke in Kombination mit einem schweren Rucksack als Unterstützung prinzipiell immer hilfreich. In der Situation dienten sie mir letztlich sogar als Krückenersatz, so konnte ich den verletzten Fuß wenigstens etwas entlasten. Im Notfall können Stöcke auch als Schiene dienen, sie sind also vielseitig einsetzbar und wiegen ja mittlerweile auch nichts mehr.

4) Der frühe Vogel hat genügend Zeit

GR11_Nationalpark OdessaZeit war ein wesentlicher Faktor in meinem Fall. Dadurch, dass ich bereits vor 7 Uhr in der Früh aufgebrochen bin, hatte ich genug Zeit für den Weg. Selbst mit Verletzung bin ich so noch vor Anbruch der Dunkelheit an der Hütte angehumpelt gekommen. Natürlich sollte man eigentlich die Zeit für genügend Pausen und für das Genießen der Umgebung einplanen, aber im Notfall kann eine Stunde mehr Sonnenlicht durchaus sehr nützlich sein.

5) Mein transilvanischer Taxifahrer

„No te preocupes. La vida es corta“ – waren die tröstenden Worte meines transilvanischen Taxifahrers, als ich mit Tränen in den Augen beim spanischen Wald- und Wiesenarzt saß.

Der Taxifahrer hat mich nicht nur für relativ wenig Geld 2 Stunden in die nächstgrößere Stadt Benasque gefahren, sondern begleitete mich tatsächlich noch mit zum Arzt und in die Apotheke. Das hat mich sehr gerührt und natürlich gefreut. Wer ist in so einer Situation schon gern allein. Dadurch, dass er ein Gastarbeiter war, haben wir uns sprachlich auch gut verstanden, da er etwas langsamer und lehrbuchmäßiger Spanisch als die Einheimischen sprach, so dass er mir in aller Seelenruhe auch erklärte, was Arzt und Apotheker mir rieten. Was für ein Glück in dem Moment. Und irgendwie auch ein bisschen schräg.

6) Die Hilfe von den Mitwanderern, Hütten- und Hotelwirten

GR11_BenausqueAber auch die anderen Wegbegleiter waren ausnahmslos sehr hilfsbereit. So versorgte mich der Hüttenwirt des Refugio Pineta mit einer übel riechenden aber kühlenden grünen Glibberpaste für den geschwollenen Fuß und einer extra Portion Nudeln. Meine französische Bettenlagernachbarin plünderte ihren Schmerztablettenvorrat und der Hotelbesitzer in Benasque bot mir ungefragt Kühlpacks für meinen Fuß an. Das machte die Lage doch sehr viel erträglicher.

7) Verständigung in der Landessprache

Sprachkenntnisse, so rudimentär sie auch sein mögen, helfen immer. Ich dachte ja eigentlich, dass in Spanien Englisch kein Thema wäre, wurde aber eines Besseren belehrt. In der Provinz sprechen nur die jungen Leute Englisch, alle anderen nicht. So war ich doch sehr froh, dass ich meine zwar etwas verstaubten aber dennoch vorhandenen Sprachkenntnisse irgendwie hervorholen konnte.

8) Freunde

Was soll ich sagen – Mädels – ihr seid die Besten! Ich bin so froh, dass ihr mir spontan einen neuen Flug gebucht, mich vom Flughafen abgeholt, mit Trostmonstern, Pizza und aufmunternden Worten versorgt habt. Es geht einfach nichts über gute Freunde!

Wie gesagt, leider ist es nicht ganz nach Plan gelaufen. Aber ich hatte sehr viel Glück und viel unerwartete Hilfe. Das stimmt mich sehr positiv. So konnte ich auch diese Situation meistern, werde mich davon nicht unterkriegen lassen und den Weg eben etwas später fortsetzen.

Kleine Rückschläge gehören leider manchmal dazu, sollten uns aber nicht von unserem Weg abbringen!

2 Comments

  1. Karin

    Für Pizza bin ich doch immer zu haben! 😉 Ich bin auf jeden Fall heilfroh, dass Du diese missliche Lage so souverän gemeistert hast. Und – noch wichtiger – dass Du ansonsten unversehrt zurück gekommen bist! Außerdem – der nächste Wanderurlaub kommt bestimmt!
    LG Karin

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  2. Julissa

    Shoot, so that’s that one suosspep.

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