Gipfelfreuden auf dem Teide. Meine Highlight-Tour 2016

Gipfelfreuden auf dem Teide. Meine Highlight-Tour 2016

Der Plan für dieses Jahr war ein ganz anderer. Wochenlang habe ich mich auf meine Fernwanderung in den Pyrenäen gefreut. Diese sollte ursprünglich mein Highlight 2016 werden. Dann kam es ganz anders, ich musste die geplante Tour abbrechen. Mein Sport-Sommer wurde zum „den-Fuß-bloß-nicht-bewegen-Sommer“. So ist das leider manchmal mit Plänen.

Durch Spontaneität zum persönlichen Outdoor-Highlight 2016: der Teide in Teneriffa

Manchmal muss auch mal spontanes Reisen drin sein. Durch ein unverhofftes freies Zeitfenster bin ich nach Teneriffa gedüst, um nochmal ein paar Sonnenstrahlen zu erhaschen und vor allem wunderbare Touren ohne Schnee zu unternehmen.

gipfel-des-teideDen Teide hatte ich so gar nicht auf dem Schirm. Und dabei ist er mit seinen 3.718m nicht nur höchster Berg der Kanaren, sondern von ganz Spanien. Als wir uns sahen, war es Liebe auf den ersten Blick. Ich bin mir sicher, er mochte mich auch.

Fast immer hat er sich ganz unverhüllt gezeigt, nur ein paar kleine Wölkchen haben hier und da die Spannung aufrechterhalten. Er ziert so ungefähr jedes zweite Foto meines Hochland-Urlaubs, so majestätisch schön ist er aus jedem Blickwinkel. Und auch so ganz anders als andere Berge. Immerhin ist er nicht irgendein Berg, sondern ein Vulkan, dessen rotes Gestein verziert wird durch erloschene, schwarze Lavaströme. Faszinierend.

Dank Mufflons Teide-Tour gestartet

Ich hatte großen Respekt vor dieser Tour und starke Bedenken, ob ich es schaffen kann. Immerhin habe ich nach meinem sportlosen Sommer einiges an Kondition verloren und war mir nicht sicher, ob ich die über 1000 Höhenmeter-Distanz so untrainiert packe. Zumal ich überhaupt nicht wusste, welches Gelände mich erwartete. Ich wollte noch ein paar Tage drüber nachgrübeln, ob und wann.

Zum Glück erfuhr ich beim Frühstück, dass ich meine für den Tag geplante Tour nicht durchführen konnte. Sperrung wegen Mufflon Jagd. Wäre ich also ganz umsonst hingefahren. Was also tun? In mir brodelte der Wunsch, die große Tour einfach zu versuchen. Ich wollte zumindest auf den Vorgipfel „Montana Blanca“, um mir einen Überblick über die Wegbeschaffenheit zu machen, und einen weiteren Gipfel hätte ich so auf jeden Fall in der Tasche. Gesagt, getan.

huevos-del-teide

Ich war so aufgeregt und lief einfach los. Genügend Wasser und Kekse hatte ich natürlich im Gepäck. Der Weg zum Montana Blanca war ein breiter, fast weiß schimmernder breiter Weg. Easy. Vorbei ging´s an den sogenannten Huevos del Teide, den riesigen Lavabrocken, die wohl irgendwann mal bei einem Lavastrom an den Fuß des Teide kullerten und sich seitdem sehr dekorativ am Wegesrand platzieren. Bereits am weißen Gipfel erstreckt sich eine Wahnsinns-Aussicht auf den Nationalpark. Ich bin fast ganz allein. Weit vor mir sehe ich eine kleine Wandergruppe, die bereits den Serpentinen-Weg Richtung Gipfel geht. Ich fühle mich gut, mein Fuß tut nicht weh, die Puste ist nach einer kurzen Pause auch wieder da.

Soll ich es wirklich wagen?? Der Himmel ist blau. Ich wäge ab – wenn ich es nach oben schaffe, kann ich mit der Seilbahn wieder runterfahren. Das wäre grandios. Wenn ich die letzte Seilbahn nicht schaffe, habe ich ein Problem. Ein ziemlich großes sogar. Es gibt zwar eine Selbstversorger-Hütte, aber ich bin überhaupt nicht auf eine Übernachtung eingestellt. Weder mit Proviant noch mit Schlafzeug. Hmm. Ich überlege, wann ich spätestens an der Hütte sein muss, um es noch rechtzeitig zur Bahn zu schaffen. Sollte ich später eintreffen, muss ich umkehren, um es im Hellen noch runter zu schaffen.

Der steile Weg zum Teide-Gipfel

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Ich betrete den schmalen Pfad und laufe weiter. Ich bin immer noch sehr aufgeregt. Ich stehe kurz davor, meinen zweiten 3.000er bzw. meinen ersten 3.500er zu erlaufen. Das ist was ganz Großes für mein kleines Bergsteiger-Herz. Ich merke, dass ich langsam höher komme, denn die Luft wird dünn. Immer wieder muss ich stehen bleiben, um meinen Puls wieder zur beruhigen. Aber das Gelände spielt mir in die Karten: Ein wirklich wunderbar einfacher Wanderpfad. Mittlerweile liegt der Gipfel des Montana Blancas weit unter mir. Ich treffe auf dem Weg zwei Mädels aus Deutschland. Wir fotografieren uns gegenseitig, dann gehen sie wieder runter. Ich bin jetzt wild entschlossen, den Gipfel zu schaffen.

lavasteine-teideKurz unterhalb des Refugios Altavista ändert sich das Gelände. Der sandige Pfad muss jetzt schwarzen Lavasteinen weichen. Jetzt muss man tatsächlich bei jedem Schritt schauen, wo man hintritt. Dabei schaffe ich es irgendwie, vom eigentlichen Weg abzukommen. Der ist auch nicht mehr wirklich ersichtlich. Aber die Sicht ist gut, ich kenne die Richtung und schraube mich langsam hoch. Im Nebel kann man hier schnell die Orientierung verlieren, denk ich.

refugio-teideDie Hütte sieht man tatsächlich erst, als man vor ihr steht. Ich mache eine kurze Pause und genieße die Aussicht und feiere meine bisherige Leistung mit einem Schokokeks. Wahnsinn, dass ich das gepackt habe. Ein Trailrunner gesellt sich dazu, er kommt von oben und versichert mir, dass es nicht mehr weit ist. Eine halbe Stunde vielleicht. Da er läuft und ich mittlerweile nur noch schleiche, stelle ich mich auf eine Stunde ein. Das passt wunderbar in meinen Zeitplan. Ich werde es schaffen!

Chucks und Turnschuhe bedeuten Zivilisation

lavasteinweg-im-nebel

Die letzten 200 Höhenmeter sind eine Qual, da kann ich nix beschönigen. Ich merke die Höhe, meine Füße sind müde. Der Rest auch. Die Lavasteine werden immer bröckeliger. Plötzlich wird es kalt und dunkel. Eine Wolke schiebt sich über den Gipfel. Na toll, dass muss doch nicht sein. Zweifel kommen in mir hoch – was, wenn es doch noch viel weiter ist als gedacht und ich mich im Nebel verlaufe? Mich gruselts ein bisschen, Nebel gehört nicht zu meinen Lieblingswetterlagen. Vor allem nicht, wenn immer wieder bizarre Felsformationen aus dem Nichts auftauchen.

Und dann, ganz plötzlich, die Erlösung – nach einer gefühlten Ewigkeit kommt mir ein Pärchen entgegen. Sie trägt eine Lederhandtasche und Chucks. Ich muss grinsen. Wo Chucks laufen, da gibt’s auch Zivilisation bzw. eine Seilbahn. So ist es, nach guten 20 Minuten habe ich es geschafft – die Seilbahn taucht vor meinen Augen auf und fährt auch noch. Runterlaufen hätte ich sicher nicht mehr geschafft. Den Krater habe ich mir nicht anschauen können. Da braucht man eine Genehmigung für, dass wusste ich leider nicht.

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Für mich sind Besteigung samt Gipfelerlebnis auch so absolut komplett. Ich bin unfassbar stolz auf mich und sehr glücklich, dass ich einfach losgegangen bin. Learning der Tour: Manchmal sollte man einfach nicht soviel grübeln, sondern loslaufen und schauen, wie es vorangeht. Die Füße werden einem schon sagen, wie weit sie laufen möchten. Ein Auge auf das Wetter und die Zeit gerichtet und der persönlichen Traum-Tour steht nichts mehr im Wege.

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