„Ihr wollt da heute noch hoch?“ – Etappe 1 vom E5: Oberstdorf – Kemptner Hütte

„Ihr wollt da heute noch hoch?“ – Etappe 1 vom E5: Oberstdorf – Kemptner Hütte

Ich bin immer noch am Fotos sortieren. Hab wohl doch zu viel geknipst während meiner Dolomiten – und Alpentour. Dafür habe ich jetzt aber auch genügend Material, um über die einzelnen Etappen zu berichten. Die abgespeckte Zusammenfassung gibt’s übrigens schon. Los geht’s jetzt also mit den Etappen! Frohen Mutes starten wir an Tag 1 unseres Outdoor-Abenteuers und lernen gleich erste Weggefährten kennen und lieben.

Short Facts: Start in Oberstdorf über Spielmannsau hoch zur Kemptner Hütte. 4,5h. 1050 Höhenmeter.

Startschuss zu unserer ersten Etappe des E5 – die Eisdiele in Oberstdorf

IMGP1631 (Kopie)Da stehen wir nun. Nach 2 Stunden in einem mit Touris überfüllten Zug sind wir an den Ausgangspunkt unserer Reise gekommen. Wir sind extra an einem Mittwoch, also mitten in der Woche losgezogen. Allerdings hatten noch gefühlte 1000 andere Touris diese Idee. Bin ich froh, als wir endlich in der Fußgängerzone vom beschaulichen Oberstdorf stehen. Irgendwie sind wir beide etwas nervös und zögern unseren Fußmarsch wie ganz selbstverständlich raus. Es müssen schließlich noch die „Vorher-Fotos“ gemacht werden. Wir kurbeln die lokale Wirtschaft an, in dem wir zwei große Eise vertilgen und finden dann auch irgendwie den „Einstieg“ nicht gleich. Das erzählen wir natürlich keinem. Offiziell wollten wir uns einfach das Städtchen noch etwas anschauen.

Endlich ist es dann soweit, wie finden uns auf dem ausgewiesenen Wanderweg E5 wieder. Die Sonne brennt uns auf den Pelz, es sind gefühlte 30 Grad. Nach der ersten halben Stunde machen wir die erste Pause und gönnen uns jeweils eine riesige Schorle. So kommen wir da niemals an, denke ich mir. Und lächle meiner Freundin und Wandergefährtin Mone motivierend zu. Die Hitze macht uns beiden zu schaffen.

Immer schön flexibel bleiben! Insbesondere, wenn die geplante Hütte Ruhetag hat…

Die Tour zur Kemptner Hütte ist mir noch in dunkler Erinnerung. Ich habe den ersten Part des E5 Fernwanderwegs bereits einige Jahre zuvor von Konstanz bis Holzgau unternommen. Daher weiß ich zumindest auf den ersten beiden Touren noch in etwa, was uns erwartet. Was genau das ist, verschweige ich aber Mone, sie muss sich erstmal an das Gewicht ihres Rucksackes gewöhnen. Ich habe ja zugegebener Maßen ein bissi Vorsprung durch meine vorangegangene Dolomitentour.

IMGP1661 (Kopie)Wir beschließen also nach unserer ersten kleinen Rast, dass wir eine weitere Schorle in Spielmannsau einnehmen. Gesagt, getan. Der Weg ist noch relativ flach und halbwegs im Schatten, wir schwitzen trotzdem wie die Elche und sehen vermutlich aus, als wären wir schon eine Woche unterwegs und nicht erst einen Tag. Egal, darüber machen wir uns keine Gedanken, als wir Spielmannsau von Weitem entdecken. Wir schmecken quasi schon die Kühle der Schorle auf unserer Zunge als wir ganz schnell auf den Boden der Tatsachen geholt werden: Mittwoch ist Ruhetag. Verdammt. Die Stimmung droht zu kippen. Insbesondere, da die Küche besetzt ist, uns der Küchenmann aber trotz verzweifeltem aber dennoch wunderhübschen Lächeln unsererseits nix geben möchte. Zum Glück ist die Jausenstation 10 Minuten weiter offen und überrascht uns mit leckerem Kuchen. Wenn das so weiter geht, dann wird das eher eine Schlemmer- als eine Sporttour denke ich bei mir. Aber eine Stärkung kommt genau richtig, schließlich haben wir die ganzen Höhenmeter noch vor uns.

Jeans und mitleidige Blicke – unsere ersten Weggefährten

IMGP1682 (Kopie)

„Bis zur Tagesschau sind wir oben“, ermuntere ich Mone, die etwas angespannt in den Reiseführer schaut. Während wir noch unseren Kuchen genießen, fällt mir ein Wanderer auf, der zwar einen sehr modernen Rucksack spazieren trägt, aber Jeans anhat. Das machen normalerweise nur Leute, die nicht so häufig in den Bergen unterwegs sind. Trotzdem legt er ein straffes Tempo vor. Ich bin sehr gespannt, ob wir uns auf der Hütte wieder sehen. Nicht mehr ganz so frisch gehen wir dann auch los, mittlerweile ist es später Nachmittag. Das führt dazu, dass uns immer wieder Wanderer entgegenkommen, die offensichtlich schon auf dem Rückweg sind. Wir werden mindestens dreimal gefragt, ob wir da heute noch hoch wollen. Ähm, ja klar, warum nicht. An unserem Gepäck sollte man eigentlich sehen, dass wir länger unterwegs sind. Vielleicht sehen wir aber auch schon so kaputt aus, dass man uns das nicht mehr zutraut, die knapp 900 verbleibenden Höhenmeter zu absolvieren. Egal, wir denken nur einen Moment darüber nach, dann gehen wir los.

Irgendwann überholen wir auch den Jeansträger, er hat nicht mehr vor hochzugehen. Hätte mich auch sehr gewundert.

IMGP1684 (Kopie)Der Weg schlängelt sich gemächlich in einen Talkessel. Ich fühle mich ein bisschen wie bei Herr der Ringe. Endlich sind wir raus aus der Zivilisation, es gibt nur noch den Weg, die grüne Weite, die Berge und uns. Nach 1,5 weiteren Stunden werde ich langsam müde, und die Hütte ist noch nicht in Sicht. Zum Glück weiß ich, dass man die Hütte erst sieht, wenn man quasi schon fast vor ihr steht.

Und wie ich es prophezeit habe: Wir sind vor der Tagesschau da. Aber trotzdem sind wir irgendwie Bummelletzter. Wir sind in Hüttenzeit ausgedrückt sogar fast zu spät fürs Abendbrot, wir können nicht mal duschen vor dem Essen. Egal, so sitzen wir also schmutzig und verschwitzt aber auch ein bisschen stolz auf der Terrasse und stärken uns. Wir gehen um 9 ins Bett. Nicht ohne vorher ein Schluck aus Mone´s Flachmann zu nehmen. Hildes Schlehenfeuer hilft hervorragend beim Einschlafen. Ich bekomme nicht mal mit, dass wir unser 4-Bett-Zimmer mit zwei Holländern teilen.

Bilanz der ersten E5-Etappe

Erster leichter Erschöpfungszustand, aber keine Blasen und das trotz toller neuer Outdoor-Schuhe. An das Anstehen und das Hühnerstall-Gequarke in den Waschräumen der Damen muss ich mich erst gewöhnen. Ich hab da eigentlich ganz gern meine Privatsphäre. Das ist dann wohl nicht für die nächsten Tage…

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