Bis die Füße glühen – Etappe 3 vom E5: Memminger Hütte – Zams

Bis die Füße glühen – Etappe 3 vom E5: Memminger Hütte – Zams

Nachdem wir uns von den Strapazen der zweiten Etappe erholt und dementsprechend auch am nächsten Tag etwas getrödelt haben, machen wir uns wieder mal als Bummelletzter um 07.30 Uhr auf den Weg. Auch dieser Weg hält einige Überraschungen für uns bereit. Insbesondere das Wetter fordert uns bis an unsere Grenzen heraus. Man sollte eben doch auf die Hinweise im Ratgeber hören.

Short Facts: Start an der Memminger Hütte. Talort Zams. Ziel: Skihütte Zams an der Mittelstation Venetbahn. 6h, 379 hm im Anstieg, 1840 hm im Abstieg

Schneefeld hinter der Memminger Hütte

Schneefreuden und unsere erste gesicherte Partie zur Seescharte

Der Anstieg dieses Wegabschnitts ist vergleichsweise leicht im Gegensatz zu dem, was noch auf uns zukommt. Daher genießen wir jeden Schritt, den wir uns von unserem letzten Domizil entfernen. Prompt laufen wir auch noch falsch, da ein kleines Schneefeld den eigentlichen Weg verdeckt. Die anderen sind schon weg, so dass wir nur erahnen können, wo es genau langgeht.

Mittlerer SeewiseeWährend wir noch etwas hilfesuchend durch die Gegend schauen, überholen uns die 3 Jungs vom Vorabend schnellen Schrittes. Klar wissen wir, wo es langgeht, wir genießen nur die Landschaft, was sonst. Aber Zeit für ein ausgiebiges Fotoshooting im Schnee muss sein. Auch beim Anstieg zur Seescharte. Dort sieht man nämlich den türkisblauen Mittleren Seewisee, während die Memminger Hütte immer kleiner am Horizont verschwindet. Was für eine Kulisse.

SeescharteVor gesicherten Passagen habe ich heimlich immer leichten Bammel. Woher soll ich denn vorher wissen, ob ich das schaffe oder ob mich doch die Angst übermannt? In diesem Fall sind die Bedenken allerdings völlig unbegründet. Die Sicherung ist eher eine kleine Hilfe, eigentlich braucht man sie nicht, da die Seescharte links und rechts wie ein kleiner Kamin genügend Halt bietet. Oben hat man Handyempfang – das wäre mir gar nicht aufgefallen, wenn nicht unser sonnenbebrillter Mitwanderer lautstark telefonieren würde. Ja, klar. Das ist auch das erste, was ich vor diesem Panorama im Sinn habe.

Wiesenidylle und Almenschmaus an der Unterlochalm

Abstieg nach ZahmsGleich nach der Scharte geht’s steil bergab. Sehr steil und sehr geröllig erstrecken sich die Serpentinen vor uns. Am Horizont sehen wir den Kessel, in den wir uns hinunterbegeben sollen. Nur ein Ende sehen wir nicht. Besonders schnell kommen wir nicht voran, das lose Gestein zwingt uns zum langsamen Gehen. Konzentration ist gefragt. Die Sonne scheint uns langsam auf den Pelz, die Wärme sammelt sich und heizt uns ordentlich ein. Jetzt schon. Laut Reiseführer kommt doch das heiße Stück erst noch. Die Latschengewächse am Wegesrand tun ihr übriges.

Ab der ersten Alm, die natürlich geschlossen hat, wird der Weg immer grüner und bewaldeter. Das ganze Szenario – dichter Wald, bemooster Waldboden – erinnert mich irgendwie an Hänsel und Gretel. Allerdings rasten wir an einer Alm mit Hüttenwirt. Und treffen auch hier wieder auf einige Wanderer aus der Memminger Hütte. Wo wohl die anderen sind? Vielleicht schon unten? Das werden wir wohl nie erfahren…

Heißer Abstieg in den Talkessel

Abstieg durch das Death Valley, hier genannt: Zamser Loch

Während wir unsere überdimensionierte Käsestulle mit Gürkchen bei der Unterlochalm genießen, wiegen wir uns in dem Glauben, dass wir das längste und schlimmste Stück schon hinter uns haben. Nur noch 2h, das kann ja nicht so schlimm sein. Nach dem verführten Mittagsmal und einer ordentlichen Apfelschorle machen wir uns frohen Mutes wieder auf den Weg. Diese ist jetzt wieder schotterig, aber angenehm breit. Technisch also kein Problem. Allerdings merken wir sehr schnell, was der Autor des Reiseführers mit „Heizt sich stark auf“ meinte. Wir arbeiten uns gefühlt sehr langsam voran, laufen zum Teil in der prallen Sonne. Ich schwitze an Stellen, von denen ich gar nicht wusste, dass man dort schwitzen kann. Die kleinen Häuser von Zams am Horizont wollen einfach nicht näher kommen. Wie eine Fata Morgana rühren sie sich nicht vom Fleck. Mone geht irgendwann das Wasser aus, meins neigt sich auch dem Ende zu. Im Tal sind es über 30 Grad im Schatten, die Luft im Talkessel ist so dick, dass man sie schneiden könnte.

Wäre ich ein Cola-Verkäufer würde ich mich direkt ans Ende dieser Etappe stellen, denke ich bei mir. Und siehe da – es wartet tatsächlich ein schäbiger Kiosk auf uns. Mit wunderbar kühlen Kaltgetränken. Was für ein Traum. Alle, die mit uns gleichzeitig ankommen nehmen dieses wunderbare Angebot an. Unsere Zöpfe kleben uns am Nacken, wir sind verstaubt und schmutzig, aber unendlich stolz auf uns.

Gewitterwolken ziehen aufUnd es wird noch besser: Wir entkommen ganz knapp dem Gewitter, was sich durch fiese dunkle Wolken bereits einige Zeit ankündigte, ergattern die letzte Bahn, die uns zur Skihütte Zams geleitet. Die Kröhnung ist die Hütte: Wir brauchen keine Duschmarken, wir sind schließlich in der Zivilisation, wie mich der Hüttenwirt grimmig anraunzt, als ich brav nach Duschmarken frage. Auch werden unsere Sachen kostenlos gewaschen. Es ist doch erstaunlich, wie sehr man sich auch über die kleinen Dinge des Alltags wieder freuen kann.

Bilanz der dritten Etappe

Geht wirklich, wirklich ganz früh los. Nein, noch früher! Der Aufstieg zur Scharte ist in der Kühle des Morgens sehr angenehm. Je höher die Temperaturen steigen, desto unangenehmer wird allerdings der Abstieg. Nehmt daher unbedingt mehr Wasser mit als sonst.

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