Angefressen! Der lange Weg zur Memminger Hütte. Etappe 2 vom E5: Kemptner – Memminger Hütte

Angefressen! Der lange Weg zur Memminger Hütte. Etappe 2 vom E5: Kemptner – Memminger Hütte

Eine Besonderheit der E5-Wanderung ist, dass man an zahlreichen Etappenabschnitten die Wahl hat. Hier noch einen Schlenker, dort noch einen Gipfel mitnehmen, oder eher die Panoramavariante. Diese Flexibilität ist eigentlich toll. Eigentlich. Sie sorgte bei uns allerdings dafür, dass Tag 2 der Schlimmste unserer Tour wurde. Zumindest für mich. Aber von vorn.

Short Facts: Start auf der Kemptner Hütte. Talort Holzgau, Zwischenstation in Madau. Ziel: Memminger Hütte. 9h. 1320 hm im Aufstieg, 920 hm im Abstieg.

Hängepartie bis Holzgau

Mone ist aufgeregt. Während ich noch im Halbschlaf vor mich hindöse springt sie wie ein aufgedrehtes Bambi vom Stockbett und ruft fröhlich „Heute laufen wir 30km“. Das ist doch mal ein sanfter Weckruf, sollte ich als Klingelton aufnehmen 🙂 Wie sich beim Frühstück herausstellt, sind auch andere unserer Mitwanderer noch nicht ganz fit. Eine Sonnenbrille täuscht eben doch nicht über das verknautschte Katergesicht hinweg. Der Kandidat mit Sonnenbrille und mit aufgeklappten Poloshirt-Kragen wird diese Tour niemals zu Ende gehen, denke ich bei mir. Wir sehen ihn nach diesem Tag auch nicht wieder… Dafür begleitet uns der Ohrwurm „I wear my sunglasses at night“ so ziemlich den ganzen Tag. Vielen Dank dafür, lieber fremder Sonnenbrillenträger!

Als wir die Hütte als Bummelletzter gegen 8 Uhr verlassen herrscht leichte Aufregung: Ein Rettungshubschrauber kreist um die nahe gelegenen Gipfel. Das heißt nichts Gutes und verursacht ein mulmiges Gefühl bei mir. Abends erfahren wir, dass ein Wanderer die Nacht unfreiwillig draußen zwischen den Felsen verbracht hat, weil er im Dunkeln nicht mehr zurückgefunden hat, und sich leicht verletzte. Zum Glück nichts Schlimmes, aber was für ein Schreck. Berge sind eben nicht die heimische Buddelkiste.

IMGP1755 (Kopie)

Über das Mädelejoch (1974) geht es in knapp 3 Stunden runter nach Holzgau. Hier bietet sich gleich der erste Schlenker (im wahrsten Sinne des Wortes) für uns an: Wir wählen den Weg über die 2011 erbaute Hängebrücke. Mit ihren 200m ist sie die längste Seilhängebrücke Österreichs. Hat ein bisschen was von Indianer Jones. Nur das die Hängebrücken bei seinen Abenteuern nicht von Rentnern bevölkert wurden. So warten wir, bis die erste Busladung durch ist, um uns dann selbst der Hängepartie zu stellen. Schon ziemlich luftig. Aber hat was.

Der lange Weg nach Madau

In Holzgau genehmigen wir uns erstmal einen schönen Eiskaffee und treffen dabei gleich auf mehrere Mitwanderer, die offensichtlich dieselbe Idee haben. Mit einem Schmunzeln erinnere ich mich an ein Vater-Sohn-Gespann. Der Vater fragt uns allen Ernstes, ob wir uns mit ihm ein Taxi nach Madau teilen. Wirklich sein Ernst? Wir sind uns einig, dass wir nicht schon am zweiten Tage ein Taxi nehmen können. Das verstößt eindeutig gegen unsere Wanderehre. Es soll nicht lange dauern, da bereuen wir diese Entscheidung zutiefst. Nicht etwa wegen dem schweren Weg. Nein, das war er nicht. Oder der sengenden Hitze, dass lassen wir uns gerade noch so gefallen. Nein, wir bekommen zu spüren, was man in tollen Naturdokus nie zu Gesicht bekommt. Die Wegbegleiter aus der Luft. Es dauert nicht lange und wir sind von fiesen, aggressiven Bremsen zerstochen. Mehr als das, quasi angefressen. So fühlen wir uns im wahrsten Sinne des Wortes. Das stand auch auf keiner Packliste, dass man Mücken- und Insektentod mitnehmen soll. Wir sehen aus wie die Streuselkuchen und fühlen uns schrecklich. Pause machen ist so auch nicht drin. Na immerhin kommen wir schneller als gedacht voran.

IMGP1805 (Kopie)Scheint wohl wirklich niemand diesen Weg gegangen zu sein. Aber wir sind tapfer und lassen auch die einsame Bank, die mit einem Schild „Taxihaltestelle“ dekoriert ist, links liegen. Der Weg in das Kleinod Madau zieht sich und ist blöderweise auch noch eine Teerstraße, was sehr unangenehm für die Füße ist. Also ganz ehrlich – würde ich diesen Weg noch einmal zu bewältigen haben, ich würde mich auch für das Taxi entscheiden.

Irgendwann erreichen wir Madau. Die drei wilden Jungs, ein lustiges Jungs-Gespann, was uns immer wieder auf unserer Reise begegnet, sind schon da. Quietschfidel sehen die aber auch nicht mehr aus. Zwei schlafen auf der Bier-Bank, der andere starrt vor sich hin. Lust auf reden hat keiner, man winkt sich zu und lächelt mit letzter Kraft. Kaum zu glauben, dass der höhenmeterreichste Abschnitt des Tages noch vor uns liegt.

Zieleinlauf – Robo-Mone in den schottischen Highlands

Als wir so gedankenverloren unsere Apfelschorle schlürfen weiß ich noch nicht, wie wir es bis zur Memminger Hütte schaffen sollen. Wir gehen nach einer viel zu kurzen Pause einfach los. Mone überlegt noch, ob sie ihren Rucksack mit der Materialseilbahn hoch schicken soll, entscheidet sich aber dagegen. Wäre ja auch irgendwie geschummelt. Genauso wie die Taxifahrt, die wir ja auch nicht in Anspruch genommen haben. Wir sind toughe Mädels, wir tragen uns und unser Gepäck selbst.

IMGP1887 (Kopie)

Der Anstieg zur Memminger Hütte ist landschaftlich sehr schön. Sehr grün, etwas steil, aber irgendwie auch sanft. So ein bisschen wie die schottischen Highlands. Ich war zwar noch nie da, aber genauso stelle ich mir das vor. Unsere Schritte sind mittlerweile mechanisch, wir denken einfach nicht mehr drüber nach was wir gerade tun, setzen einfach nur einen Schritt vor den anderen. Ich spiele mit meiner Kamera, mache Selbstauslöser-Schnappschüsse. Mone schleicht an mir vorbei und murmelt irgendwas von „Ich bin ab jetzt nur noch die Roboter-Mone“. Aha, was auch immer das bedeuten soll. Mone geht zumindest weiter, dass ist gut. Denn ich sehe dunkle Wolken am Himmel, vermutlich Gewitter- oder zumindest Regenwolken. Daraufhin erhöhe ich das Tempo, die Memminger Hütte lässt aber auch auf sich warten. Man bekommt sie erst in letzter Minute zu Gesicht. Aber ist vielleicht auch besser so. Gegen 20 Uhr machen wir das Hüttenankunftsbild. Die anderen – die Taxifahrer – schauen uns etwas verdattert an. Als wir unseren langen Weg nach Madau erzählen, ist die Bewunderung der Hütteninsassen auf unserer Seite. Inklusive die von Mr. Sunglasses. Das ist das letzte Mal, dass wir ihm begegnen.

Wir sind insgesamt sieben Wanderer, die die ganze Strecke laufend zurück gelegt haben. Und bekommen ein separates Zimmer für die Nacht. Was für ein Luxus, wenn man sich das riesen Bettenlager anschaut. Ich schlafe zumindest tief und fest und werde von dem frühen Gekruschtele der anderen nicht wach.

Bilanz der zweiten E5-Etappe

Bei dieser Etappe ein Taxi zu nehmen ist wirklich keine Schande. Man verpasst nicht viel, die umwaldete Teerstraße nach Madau ist nicht so wahnsinnig spektakulär. Vor Holzgau lohnt sich der Schlenker über die Hängebrücke.

Ihr solltet in jedem Fall früh aufbrechen, die Strecke ist lang, aber das Erlebnis, insbesondere beim letzten Anstieg auch intensiv. Es lohnt sich eine Extra-Pause einzuplanen. Und ganz wichtig: Packt Insektentod mit ein. Lieber zuviel als zuwenig!

One Comment

  1. hdmi cable from pc to tv no sound

    wonderful put up, very informative. I’m wondering why the other experts of this sector
    do not realize this. You should continue your writing. I’m confident, you have a great readers‘ base already!

    Reply

Leave a Reply

*