Die Enten von Bad Tölz

Die Enten von Bad Tölz

Manchmal sorgen Missverständnisse für lustige Momentaufnahmen. Auch unseren intellektuellen Dialog über das soziale Verhalten von Enten möchte ich euch nicht vorenthalten:

Bad Tölz – das Etappenziel

Ich wandere mit einer Freundin auf dem Fernwanderweg München-Venedig. Es geschah auf der zweiten Etappe. Wir kämpfen uns stundenlang durch ziemlich dichten Wald, immer entlang der Isar. Das ist ziemlich abenteuerlich, da wir auf dem Weg fast allein unterwegs sind, wir touren nämlich nicht auf dem allseits bekannten Radlweg, der am Samstag natürlich ziemlich bevölkert ist. Unser Highlight soll Bad Tölz, das Etappenziel und Station des nächsten Vanille-Eises gleichermaßen sein. An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass ich schon länger nicht mehr sportlich aktiv war. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal 27 km am Stück gewandert bin. Meine Konzentration und Sprachgewandtheit haben dementsprechend mit zunehmender Länge der Strecke bei gleichzeitiger Zunahme der Außentemperatur abgenommen.

Die Wirkung sich sonnender Enten auf der Tölzer Sandbank

So fiel meine Freude über das letztendliche Erreichen unseres Zielortes auch eher ruhig aus. Ich genoss das tolle Bergpanorama. Die Ruhe, die zuvor unser Wegbegleiter ist, wird durch laute Töne einer Blaskapelle durchbrochen. In Bad Tölz ist Käsefest, was für ein unerwartet musikalischer Empfang.
Die Isar in Bad Tölz ist sehr flach, das fließende blaue-türkise Wasser wird am Ortseingang durch eine riesige Sandbank durchbrochen. Ein prima Platz für diverse Enten, um sich zu sammeln.

0816_die enten von bad tölz 2Gedankenverloren sage ich zu meiner Freundin: „Schau, die Enten sonnen sich.“
Daraufhin sie: „Ist das jetzt gut oder schlecht?“

Meine Gedanken fangen an zu kreisen – `Naja, vielleicht schmecken sie dann besser, wenn sie lange in der Sonne gelegen haben. Das Fleisch von freilaufenden, glücklichen Kühen soll ja auch ganz gut munden. Moment, ich bin doch Vegetarier, warum mache ich mir Gedanken über den Geschmack von Enten und wie komme ich jetzt eigentlich von einer Entenansammlung, die ich vor den Toren von Bad Tölz zum Mittagspäuschen niedergelassen hat, aufs Essen?` Mit diesen Gedanken in meinem Kopf schaue ich meine Freundin etwas verwirrt an.

Sie daraufhin nochmal: „Ist das jetzt gut oder schlecht, dass die sich sammeln?“

Das ist nun wirklich sehr komisch, so dass ich auf der Stelle in schallendes Gelächter ausbreche. Woraufhin sie mich verwirrt anschaut. Als ich sie über das Missverständnis aufkläre – sie hat sammeln statt sonnen verstanden, erhellt auch ihr Gesicht sich.

Fazit von der G’schicht

Egal ob sich Enten nun sonnen oder sammeln – sie sind nicht gefährlich für Wanderer.  Auch nicht für solche, die total ausgelaugt, hungrig und durstig an ihren Zielort ankommen. Allerdings sollte man wilden Tieren immer mit Vorsicht entgegentreten, man kann ja nie wissen.

2 Comments

  1. Andrea

    Ja, das war sehr witzig. Habe jetzt beim lesen auch noch mal herzlich gelacht.

    Aber eins möchte ich zu dieser Tour noch ergänzen. Am frühen morgen so gegen 08:30 Uhr begeneten wir einem augenscheinlich schon sehr alten Mann. Der drückte jeder von uns einen „München-Venedig“ Auf kleber in die Hand. Wie ich während meiner Wanderung der restlichen 26 Etappen erfahren habe war das Herr Ludwig Graßler (Der Erfinder der Tramupfadwanderung) höchst persönlich.

    Wenn ich das mal eher gewusst hätte, hätte ich ein Photo gemacht.

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  2. Gastbeitrag: Outdoor-Mädels – alles nur Klischee? | Hiking Blog

    […] Eindrücke zu besprechen. So entstehen Ideen, aber auch ganz schnell lustige Situationen und Dialoge sowie neue Bekanntschaften. Das verscheucht zwar die eh seltenen Murmeltiere, kann aber nun […]

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