Das Duell der Giganten: E5 vs. Dolomitenhöhenweg Nr. 4

Das Duell der Giganten:  E5 vs. Dolomitenhöhenweg Nr. 4

Meine Sommerferien habe ich wie angekündigt in den Bergen verbracht. Davon kann ich gar nicht genug bekommen! Nach meiner Rückkehr erzählte ich natürlich allen Leuten von meinen Touren, ob sie es nun hören wollten oder nicht. Von einem aufmerksamen Zuhörer kam dann plötzlich die Frage, was denn nun besser gewesen sei bzw. welche Tour ich mehr empfehlen könnte. Gute und berechtigte Frage. Es gibt unzählige Gründe, die für beide Touren sprechen. Ich lasse beide Fernwanderwege heute aber nur in den wichtigsten vier Kategorien gegeneinander antreten: Panoramen, Hütten, Gelände und Erreichbarkeit.

Panoramen: Drei Zinnen vs. Similaun-Gletscher

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Ein wichtiger Grund, warum viele zu derartigen Touren aufbrechen: Sie wollen was sehen. Wilde Tiere zum Beispiel, oder malerische Gipfel. Wir hatten jeweils beides. Wobei ich ja finde, dass man die Dolomiten, die bekanntlich zu den Südalpen zählen, nicht mit den klassischen Alpen vergleichen kann. Sie sind viel schroffer, viel gerölliger und wirken manchmal, wenn sich eine dunkle Wolke vor die Sonne schiebt, auch etwas bedrohlich. Die Geburt der majestätischen Dolomiten liegt einige Jahre zurück, so ca. 250 Millionen Jahre. Charakteristisch ist das erwähnte schroffe Ambiente mit einem Wechsel von grünen saftigen Wiesen. Man sieht zum Teil sogar noch die Gesteinsschichten.

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Besonders eindrucksvoll auf dem E5 hingegen war für mich der Similaun-Gletscher, der leider schon um einiges zurückgegangen ist, aber trotzdem immer noch sehr mächtig ist. Insbesondere wenn wir Seilschaften von der Hütte aus beobachtet haben, verstärkte sich dieser Eindruck noch.

Ihr seht schon, bereits über diese Kategorie könnte man endlos philosophieren, Fakt ist aber: Diese Runde geht unentschieden aus. Man kann einfach nicht sagen, welches Panorama das Schönere ist.

Hütten: Dusch- und Schnarchdramen

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Bei der Hüttensituation sieht es da schon anders aus. Das Gute ist: Es gibt in beiden Regionen ein weit verzweigtes Hüttennetz. Das wissen aber auch andere Wanderer, so dass man unbedingt reservieren sollte, insbesondere, wenn man mit mehreren Personen unterwegs ist. IMGP1577 (Kopie)Die Dolomitenhütten sind im Vergleich zu den E5 Hütten fast durchgängig um einiges kleiner, dafür aber auch uriger. Die Matratzen sind häufig sehr durchgelegen, aber zumindest sind die Stockbetten stabil. In den Dolomiten hatten wir Glück: Die Hütten waren nie komplett voll, so dass wir in den Zimmern fast immer allein waren. Das besondere Etwas halten die Biwakschachteln, die doch weit verstreut sind, bereit. Eine Nacht ließen wir uns auf darauf ein. Anfangs war es etwas gruselig – wir zwei Mädels mitten im Nichts. Ohne Strom, ohne Netz, dafür aber mit jeder Menge Kuchen und Haselnussschnaps. Das Ambiente bei anbrechen der Nacht und am frühen Morgen – einfach unbezahlbar.

IMGP2589 (Kopie)Schlaflose, weil mit dem Schnarchen fremder Wanderer unterbrochene Nächte blieben uns hier erspart. Das kann man von den E5 Hütten definitiv nicht sagen. Diese waren immer proppevoll, wenn auch meist komfortabler ausgestattet. Das viel zu kleine Bettenlager in der Similaun-Hütte sorgte dabei für stetigen nächtlichen Körperkontakt mit Fremden. Neben mir lag zum Glück die Mone, da blieb mir einiges erspart. Danke dafür Mone!

Besonders amüsant waren die Duschsituationen: Bei den E5 Duschen standen wir fast immer an, nutzten die Zeit aber für ein Pläuschen mit den anderen schmutzigen Mädels, die halbnackt vor den Brausen standen. Witzig war die Reaktion in der Zamser Skihütte. Wir checkten ein und ich forderte bereits ganz routiniert eine Duschmarke an. Daraufhin erntete ich nur ein spöttisches Lachen: „Mädel, wir sind hier in der Zivilisation“ hieß es – ihr könnt euch vorstellen, was wir gefühlt den halben Abend gemacht haben. Richtig, duschen ohne Duschmarke. In dieser Hütte wurden sogar unsere Sachen gewaschen, was für ein Luxus.

Bei den Dolomitenduschen freuten wir uns wie ein Tofu-Schnitzel, wenn sie überhaupt funktioniert haben. Meine Freundin Silvi kann da ein Lied von singen, irgendwie erwischte sie das ein oder andere Mal ein defektes Modell. Besonderes Duschhighlight war das Solar-Open-Air Konstrukt. Ja, richtig gehört. Wir überlegten nur kurz, denn der schon etwas ältere Hüttenherr hätte, wenn er denn gewollt hätte, freie Sicht auf uns. Die neumodernen Duschen standen mitten im Garten, ohne Sichtschutz. Das war uns in Anbetracht unserer Zustandes aber egal. Wer kann schon behaupten, dass er mitten in den Dolomiten mit Blick auf das ganze Panorama warm (!) ohne Duschmünzen geduscht hat. Was für ein Spaß. Den hatte der Hüttenherr sicher auch.

In dieser Kategorie kann ganz klar unterschieden werden – wer mehr Luxus mag, dafür auch mehr Menschen in Kauf nimmt, ist auf dem E5 besser aufgehoben. Wer sich einfach überraschen lassen will, weniger Komfort braucht, das Abenteuer in einsamen Biwakschachteln sucht und auch mal stille Abende mag, dem sei der Dolomitenweg ans Herz gelegt.

Gelände: Autobahn vs. lockere Stahlseile

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Im Nachhinein betrachtet war es ganz gut für mich, dass ich zuerst die Dolomiten eroberte und dann auf dem klassischen E5 flanierte. Während das Gelände der Dolomiten sehr geröllig, zuweilen richtig steil und häufiger mit Stahlseilen gesichert war, kamen mir einige Wege der Alpenüberquerung wie eine Autobahn vor. Zumal wir die Panorama-Variante gewählt hatten, über den Kaunergrat sieht das Ganze sicher schon wieder anders aus. Für den Dolomitenhöhenweg benötigten wir ein Klettersteigset. Wobei man sagen muss, dass wir es so gut wie gar nicht anhatten. An unserem Klettersteigtag machte uns eine schlechte Wettervorhersage einen Strich durch die Rechnung, so dass wir eine andere Schleife gegangen sind. Ich bin aber immer noch ein bisschen froh darüber. Die Klettersteigpassagen, die wir zwischendurch mitgenommen haben, sind bei weitem nicht so gut gesichert gewesen wie in den bayerischen Voralpen. Die Seile sind zum Teil locker, zum Teil nicht vorhanden, obwohl man sie gebraucht hätte. Das hat mir durchaus mehr abenteuerliche, „mir-bleibt mein-Herz-gleich-stehen-Momente“ als mir lieb gewesen wäre beschert.

IMGP3376 (Kopie)Daher habe ich vielleicht auch einen anderen Blick auf das Gelände des E5 – aber hier fand ich alle Wege unschwierig. Hin und wieder mussten wir die Hände zur Hilfe nehmen. Beim Besuch des Ötzis beim Similaun habe ich mir eine neue Knieschramme geholt und meinen Kamerafilter geschrottet, aber ansonsten waren die Wege durchaus angenehm auch von guter Steigung. Nachteil beim E5 ist, dass man immer komplett hoch- und dann auch wieder runtergeht. Das kann bei großer Hitze sehr anstrengend sein, insbesondere, wenn man nach Zahms absteigt.

Daher kann ich die Alpenüberquerung auch Wanderern empfehlen, die zumindest gute Kondition haben, aber nicht ständig in den Bergen unterwegs sind. Die verschiedenen Varianten lassen viel Spielraum auch für nicht ganz so Erfahrene. Während man für die Dolomiten mehr im Gelände unterwegs gewesen sein sollte. Als Einsteig würde sich hier ggf. auch der Höhenweg 1 und 2 empfehlen, die vom Schwierigkeitsgrad leichter sind und kein Klettersteigset erfordern.

Erreichbarkeit: „Wann kommt denn nun das Taxi?“

IMGP1805 (Kopie)Auch hier gibt es deutliche Unterschiede. Während der Wanderer bequem mit der Bahn nach Oberstdorf, also zum Ausgangspunkt der E5 Tour, kommt und auch zwischen den Etappen einfach mit einem Taxi oder dem Bus abkürzen kann, sieht das in den Dolomiten schon anders aus. Nach Innichen fährt man am besten mit dem eigenen Auto. Die Rückfahrt bis zu selbigen war an sich schon ein kleines Abenteuer: Nach zwei Busfahrten und einer Bahnfahrt haben wir es dann irgendwie geschafft, aber die Anbindungen sind nicht wirklich komfortabel. Trampen – unsere ursprüngliche Idee – hat irgendwie auch nicht funktioniert. Dabei haben wir zwei hübschen, blonden Mädels doch sicher einen vertrauenswürdigen Eindruck gemacht. Mitnehmen wollte uns trotzdem niemand. Egal wir haben es auch so geschafft. Beim Dolomitenhöhenweg Nr. 4 ist man einfach mehr mittendrin im Gebirge. Weniger Zivilisation heißt aber eben auch, weniger Ansturm auf die Hütten und Kilometerweite Ruhe im Gebirge. Hat auf jeden Fall was.

Wer sich also nicht sicher ist, ob er wirklich sieben Tage am Stück wandern kann oder möchte, dem sei an dieser Stelle der E5 ans Herz gelegt. Hier kann in jedem Talort bequem abgebrochen werden.

Fazit: E5 oder Dolomitenhöhenweg?

Ganz klar, als Bergfreund sollte man sich unbedingt beide Touren vornehmen. Dabei eignet sich der E5 besonders für diejenigen, die auf etwas Komfort bei den Hütten nicht verzichten wollen. Aufgrund der sehr guten Erreichbarkeit ist die Tour auch sehr als Einsteiger-Fernwanderung zu empfehlen. Spätestens danach kann man beurteilen, ob man gern 7 Tage lang einen schweren Rucksack schleppen möchte und trotzdem noch Spaß am Urlaub hat. Nachteilig schlagen die Menschenmassen zu Buche. Einsame Bergidylle wird man hier vergebens suchen.

Die Dolomiten punkten mit einem Hauch von Abenteuer: Zum Teil urigere Hütten, schroffere Landschaft, die Möglichkeit in Biwakschachteln zu übernachten und natürlich erwähnte Solar-Open-Air Dusche machen diese Tour einfach unvergesslich.

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