Outtakes und Learnings – Teil 3 der 24 Wander-Trilogie

Outtakes und Learnings – Teil 3 der 24 Wander-Trilogie

Ja, mein 24h Wanderdebut in Rheinland-Pfalz hat mich schon beeindruckt, daher musste ich die Ereignisse auch drei teilen.

FullSizeRender (21)Um an den zweiten Teil anzuknüpfen: Ich habe mich dann schweren Herzens dazu entschieden, nicht weiterzulaufen. Das war wirklich bitter, mein Kopf sagte: „Stell dich nicht so an!“, meine Beine erwiderten störrisch: „Ne, das kannst du mal sowas von vergessen“ und gewannen damit die Oberhand. Daher kommt der dritte Teil gerade recht, um die Learnings und lustigen Situationen zu resümieren. Dabei konnte ich mich kaum entscheiden, in 24h kann schließlich viel passieren. Das sind meine Top 4 für euch:

#Learning 1 Orientierung ist alles!

Suchst du noch oder bist du schon am Ziel? Eine durchaus wichtige Frage, die man leicht aus den Augen verlieren kann, wenn man auf ein sehr durchorganisiertes Wander-Event geht und sich in organisatorischer Sicherheit wiegt. Aber: Trotzdem solltest du zu jeder Zeit wissen, wo du dich in etwa im Gelände befindest, damit du im Notfall schnell zurück in die Zivilisation findest.

P1020714Das gilt auch für den Fall, dass du vom Bahnhof abgeholt werden solltest. Denn zuweilen weigern sich die Fahrer, sich an die Anweisungen des Navis zu halten und kommen etwas vom Weg ab 🙂 Während wir durch zugegebenermaßen wunderschöne Natur fuhren, mein Handy immer weniger Netz aufwies und der umliegende Wald immer dichter wurde, fragte ich mich unweigerlich, ob wir wirklich zum Wander-Event abgeholt wurden. Oder waren wir auf dem Weg ins Dschungelcamp? Am Ende kamen wir dann mit ein bisschen Verspätung sicher ans Ziel.

Mein Tipp sind die guten alten Retro-Print-Karten. Das Akku lässt immer dann nach, wenn man es am dringendsten brauche könnte.

#Learning 2 – Höre auf deinen Körper!

P1020760Ist es der vielbeschworene Flow, der sich irgendwann einstellt oder gibt es sowas wie einen Wanderkoller? Genie und Wahnsinn liegen ja bekanntlich eng beieinander. Noch während ich mit meiner Wanderbegleitung über die Existenz eines derartigen Kollers philosophiere, schaut sie auf den von Zweigen leicht verdeckten Acker und sagt ganz beiläufig – „Oh schau mal, da steht ein Zug“. Gedankenverloren bejahe ich diese Erkenntnis lautstark. Und dann fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren – Moment, ein Zug, mitten auf dem Feld?! Da stimmt doch was nicht. Beim erneuten Hinschauen bemerke ich, dass es sich um einen mit einer weißen Folie abgedeckten Stapel Holz handelt. Das wäre dann wohl der lebende Beweis dafür, dass es tatsächlich einen Wanderkoller gibt. In diesem Fall vermutlich erzeugt durch einsetzende Halluzinationen. Wir hatten einfach zu wenig getrunken.

Mein Tipp an alle Wanderer: Wenn du Durst verspürst, oder sich seltsame Dinge vor deinen Augen abspielen (=Hallus) dann mach ein Päuschen und stärke dich!

#Learning 3 – Lass dich auch von außen motivieren!

Es kommt der Moment, da ist die intrinsische Motivation einfach auch mal aufgebraucht.

P1020772Das macht aber nichts, schließlich sind Events dafür da, dass man eben mit Gleichgesinnten Freud und später dann auch schmerzvolle Erfahrungen teilt. In unserem Fall ist das sogar noch viel einfacher: Wir, die bloggende Zunft, twittern einfach etwas über den momentanen Verbleib und häufig kommen dann auch wohlgesonnene Retweets oder Favs. Also mich motiviert das ungemein.

Blöd ist dann aber auch, dass ein eventuelles Untertauchen dann auch nicht mehr unbemerkt bleibt. Ich fands ja klasse, dass wir insbesondere auch in den nächtlichen Stunden angefeuert wurden. Als wir dann plötzlich nichts mehr gezwitschert haben, kam aber auch prompt die Nachfrage, ob wir noch laufen. Nun aus der Nummer sind wir dann nicht mehr rausgekommen :-). Gemeinsam feuerten wir dann Jens an, das hat auch Spaß gemacht und irgendwie auch das Gemeinschaftsgefühl gestärkt.

Was übrigens auch ungemein motiviert: Wenn jemand seine Schokoladenration sichtbar vor dir herträgt 🙂

Mein Tipp an dich: Solltest du ein Wandermotivationstief haben, dann schau dich um. Es gibt bestimmt irgendetwas oder irgendwen, der dich wieder auf die Spur bringt.

#Learning 4 – Gönn deinem Körper Erholung!

„Autsch – ich mache alles, wenn ich mich bloß nicht mehr bewegen muss“ –  Das sind meine Gedanken, als ich schon längst wieder auf dem Weg zum Hotel bin. Vorausschauend wie ich bin, habe ich mir eine zusätzliche Übernachtung gegönnt. Eine weitere Teilnehmerin ist ebenfalls in dem Hotel gestrandet, so dass wir uns kurzerhand zum gemeinsamen Abendessen verabredeten.

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IMG_0963Wir kennen uns zwar noch nicht, sind uns aber darüber einig, dass wir nur „kurz um die Ecke“ zum Futtern wollen. So humpeln wir fröhlich durch die Straßen, als meine Begleitung kurzerhand einen Tipp von einem Einheimischen Teilnehmer für eine Abendlocation bekommt. Tipps nehmen wir gern entgegen, dann müssen wir nicht soviel laufen, denken wir zumindest. Wie sich dann rausstellt, ist das Schützenhaus das wohl am weitesten oben gelegene Lokal der Stadt. Und wir haben uns auch noch auf den langen Weg dorthin gemacht.

FullSizeRender (22)Essen und Ausblick sind super, aber mein Körper schreit immer lauter: Verdammt jetzt gib endlich Ruhe und hör auf zu laufen. Auf dem Rückweg habe ich Sorge, dass ich es noch bis ins Hotel schaffe, hat dann aber noch geklappt.

Notiz an mich: Ja, Erholung heißt eben nicht, wieder auf den nächstgelegenen Berg zum Abendbrotessen zu gehen, sondern einfach körperlich nichts zu tun. Ansonsten macht der Körper vermutlich irgendwann auf Deutsche Bahn und streikt  ne Runde.

So haben mir diverse lustige Situationen tatsächlich zu einigen Learnings verholfen und ich konnte das mir bisher unbekannte Rheinland-Pfalz für mich entdecken.

O-Töne von den Bloggern gibt´s übrigens im Podcast Nr.69.
Ob ich es wieder tun werde? Hmm, ich habe da eine Tendenz…

6 Comments

  1. Karin

    Liebe Karolin,
    das sind echt tolle Resümees von Dir- die kann ich wirklich gut unterstreichen und mit dieser Einstellung würde ich auch das nächste Mal an eine solche Herausforderung dran gehen. Der Tipp mit der Schoko im Rucksack ist natürlich der Hammer!!! Das Learning Nummer 1 ist es Wert, mal drüber nachzudenken. Im Nachhinein könnte ich sagen „Das war ein Teil der Challenge. 🙂 “ Aber die Wahrheit ist: Ich habe mich einfach verquatscht beim Erzählen über Windkraft und Nationalpark und den Abzweig verpasst. Dann gedacht, der Rückweg lohnt sich nicht… hätte nicht gedacht, dass wir dabei in den Hunsrücker Dschungel geraten würden 😉 War aber auch ganz schön da, gell?
    Nun muss ich kurz noch was ergänzen: Ich habe persönlich eine Deiner Halluzinationen auf der Nachtwanderung erlebt. Als wir nachts an der Mosel entlang gingen, hatte ich gesagt: „So jetzt sind es noch 4 Kilometer, also etwa eine Stunde.“ Nach 10 Minuten sagtest Du dann: „So, jetzt müssten wir doch bald da sein.“ Das war wirklich Deine Wahrnehmung in diesem Moment. Fand ich bemerkenswert, wie man manchmal das Hirn auf Sparflamme fährt, wenn es sein muss. Es war aber für mich toll, dass wir in dem Moment einfach nicht allein waren, das hat echt geholfen.
    Freue mich, wenn es Dir bei uns gefallen hat und hoffe, wir sehen uns mal wieder in dieser Wanderwelt!
    Liebe Grüße,
    Karin
    von wanderreporter.de

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    • Karolin

      Hi Karin,
      vielen Dank für dein Feedback. Ja, dass stimmt. Für mich waren die letzten Kilometer einfach unglaublich lang, da habe ich das Ziel die ganze Zeit visualisiert und dachte die ganze Zeit „Mensch, noch eine Kurve, dann sind wir doch da.“ 😀
      Es hat mir wirklich sehr gefallen, ich empfehle das Event und die Region sehr gern weiter!
      LG, Karo

  2. Jens | Hiking-Blog

    Ha, Ha, sehr schön! Bei so einem Wanderevent lernt man wirklich einiges. Auch über sich selbst.

    Mir hat eure Unterstützung per Twitter wirklich sehr geholfen. Unglaublich wie motivierend das sein kann, wenn man einfach nur noch fertig ist.

    Ich hoffe, dass ich jetzt am langen Wochenende meinen Artikel fertig bekomme (manchmal hasse ich mich dafür, mich nicht kurz fassen zu können…)

    Dann erfahrt ihr, wie ich mich gefühlt habe und was ich so alles gelernt habe.

    War mir eine Freude, ein Teil der Strecke mit dir gemeinsam zu laufen.

    LG Jens

    Reply

    • Karolin

      Hi Jens,
      ja, das mit dem Kurzfassen ist so eine Sache. Ich hab ja auch über 3 Teile gebraucht um alle Eindrücke zu verarbeiten 😀
      Ich bin schon sehr gespannt auf dein Resümee, das schau ich mir gleich mal an!
      LG, Karo

  3. Elke

    Liebe Karolin,

    das ist so super geschrieben. Danke für deine Gedanken.

    Auf die Idee mir die Motivation im net zu holen, bin ich nicht gekommen, so ist das mit den Trödels, die gewohnt sind ohne Handy auf Wanderschaft zu sein. Im Augenblick übe ich das ein wenig.

    Ich wünsche dir tolle Feiertage und wir sehen uns, min. im www
    Liebe Grüße
    Elke

    Reply

    • Karolin

      Liebe Elke,
      vielen Dank für dein Feedback, freut mich sehr, dass meine Gedanken gut zu lesen sind 🙂
      Eigentlich soll man ja während des Wanderns auch nicht die ganze Zeit aufs Handy schauen, aber in diesem Fall war es wirklich Gold wert. Und so ein Tweet ist ja auch schnell gelesen 😀
      Ich wünsche dir eine tolle Woche, bis bald!
      LG, Karo

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