Nachtwandeln mit Fremden – Teil 2 meiner 24h Wander-Trilogie

Nachtwandeln mit Fremden – Teil 2 meiner 24h Wander-Trilogie

Der Nachteil an einer Nachtwanderung ist prinzipiell, dass es dunkel ist. Könnte man zumindest meinen. Schließlich zählt das Genießen der Landschaft samt Fotoalben-Panoramen zu den Top Gründen, um überhaupt zu wandern.

FullSizeRender (12)Im Rahmen der 24h Wanderung am Moselsteig ließ sich ein Ausflug durch die Dunkelheit allerdings nicht vermeiden, die Veranstaltung hieß schließlich nicht 24h Tagesspaziergang. Nachdem wir uns also von den ersten 40km wieder erholt, viel zu viel Pasta gespeist und unsere ersten Wunden versorgt hatten, setzten wir unsere Stirnlampen auf und steuerten erneut die Mosel an. Ich hatte vorsichtshalber auch noch eine Taschenlampe mit neuen Duracell-Batterien mit. Für Erleuchtung war also gesorgt.

Schlaflos in Bernkastel-Kues

20km und weitere 500 Höhenmeter warteten auf uns. Dass es dunkel war, erwähnte ich schon. Das zog auch einige interessante Konsequenzen nach sich: Die Fortbewegung war generell nicht so stürmisch wie tagsüber. Wir konzentrierten uns mehr auf den Untergrund und auf das Finden des Weges als schnell zum nächsten Motiv zu eilen. Für die bloggende Zunft ist das praktisch, gefühlt kamen wir so schneller voran.

FullSizeRender-(14)Auch ist das Gemeinschaftsgefühl nachts ein anderes. Vor meiner Reise in den Norden hatte ich so meine Bedenken. Im Dunkeln, mit Fremden und das ohne ein buntes Getränk in der Hand und Discobeleuchtung von oben? Ob das gut gehen wird? Zum Wander-Zeitpunkt war ich allerdings sehr froh, lustige Weggefährten zu haben. Wir passten unser Tempo gegenseitig an und warteten aufeinander. Auch die Besatzung der Versorgungsstation freute sich gefühlt überschwänglicher als tagsüber, hatte sich doch das Feld der Wanderer etwas gelichtet. Die Versorgungsstationen waren auf dieser Nachtrunde die freiwillige Feuerwehr Graacher Schäferei sowie die Freiwillige Feuerwehr Wehlen. Jungs und Mädels: An dieser Stelle gebührt euch ein besonderer Dank, ihr wart großartig – ich habe nie besseren Mitternachtskaffee getrunken!

FullSizeRender (15)Auch waren alle Sinne plötzlich irgendwie geschärft: Jedes Knacken im Gebüsch hörte man plötzlich ganz deutlich, eine leichte Brise erfrischte wohlig nach dem Aufstieg. Das klackernde Geräusch der Wanderstöcke verrät uns, dass die anderen hinter uns noch da sind.

Natürlich auch das Plappern unser Bloggerkollegen: Die Ereignisse des Tages wurden resümiert, es gibt halbstündliche Wasserstandsmeldungen über die Befindlichkeiten und neue Blessuren.

Bis an die Grenzen und darüber hinaus

FullSizeRender (16)Das ist auch eine Erfahrung, die zumindest für meine Nachtwanderung signifikant war: Nicht nur, dass ich Geräusche und Bewegungen um mich herum irgendwie trotz oder gerade wegen der Dunkelheit schärfer wahrgenommen habe. So hörte ich auch mich und meine Gedanken klarer. Der linke Fuß schmerzt, dann plötzlich zog das rechte Knie nach, dann das andere. Die Schmerzen und meine zunehmende Erschöpfung konnte ich langsam nicht mehr leugnen. Entweder waren sie auf der Tagestour noch nicht da, oder ich war einfach zu abgelenkt. Unweigerlich fange ich an mich zu fragen, wie lange ich noch durchhalten werde. Stell dich nicht so an, du bist jetzt schon soweit gekommen, sage ich mir innerlich eine ganze Weile. Als ich dann höre, dass es noch weitere 8 Kilometer sein sollen, zeichnet sich blankes Entsetzen auf meinem Gesicht ab. Zum Glück sieht das im Dunkeln keiner. Ich klammerte mich an meine Wanderstöcke und setzte immer einen Fuß vor den anderen. Immer weiter.

FullSizeRender (18)8 Kilometer können verdammt lang sein, da hilft dann irgendwann auch kein Mantra mehr. Am Ende kann ich nicht mal mehr meine Knie durchstrecken, meine Worte hatte ich schon vor Kilometern aufgebraucht. Die verbleibende Energie brauchte ich einfach nur zum Laufen. Humpelnd erreiche ich die Turnhalle in Bernkastel-Kues und bette mich erstmal auf einer bereitgestellten Matte. Welch ein Luxus. Zwei Stunden schlafen, dann sieht die Welt schon wieder anders aus, denken wir Mädels uns und stellen den Wecker auf 6 Uhr morgens. Ich bin erschöpft und auch ein bisschen enttäuscht – das kann doch nicht sein, dass ich wegen so kleinen Zipperlein aufgebe? Mit gemischten Gefühlen schlummerte ich schließlich ein und wurde unsanft vom Wecker aus meinen Träumen gerissen…

Weitermachen oder nicht – Diese Entscheidung habe ich mir wirklich nicht leicht gemacht. Wie ich meine 24h Wanderung abgeschlossen und ob bzw. was ich daraus gelernt habe sowie die lustigen Outtakes erfahrt ihr im letzten Teil der Wander-Trilogie.

One Comment

  1. HikeKarin

    Liebe Karolin, es hat mir viel Spaß gemacht, die Nachtetappe mit Dir zu wandern! Es war echt hart und am Ende um 3 Uhr morgens war ich sooooo müüüüde und meine Füße taten weh… ich war echt dankbar, eine Turnmatte mein Bett nennen zu dürfen… Liebe Grüße,
    Karin

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