Doppelt hält besser – Meine zweite Kampenwandbesteigung

Doppelt hält besser – Meine zweite Kampenwandbesteigung

Kennt ihr das? Manchmal kommt ihr im Leben zurück an einen Ort, an dem ihr schon einmal wart. Irgendwann ist er bei euch in Vergessenheit geraten, aber plötzlich rückt er dann zufällig wieder in deinen Fokus. Du kommst zurück, nur diesmal ist es ein komplett anderes Erlebnis. Besser und intensiver. So ging es mir bei meiner Kampenwandbesteigung.

IMGP0593 (Kopie)Der bekannte Münchner Hausberg lachte mich schon bei meinem letzten Chiemgauwochenende ständig an, nur da war der Plan wie berichtet ein anderer. Das Wetter übrigens auch. Nun reiste ich beruflich nochmals an den Chiemsee und nutzte die Gelegenheit für eine Feierabendrunde mit Kollegen.

Ich erinnere mich dunkel an meine erste Begegnung mit dem schroffen Felskamm: Damals war ich noch ein Bergnewbie, hatte dementsprechend noch Jeans und profillose Turnschuhe an und machte mich bei Schnee auf den Weg. Einen Großteil kürzten wir mit der Bergbahn ab damals. Das ist mittlerweile sechs Jahr her. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich mich wie ein kleines Kind freute, als zwei Kollegen aus dem mittleren Norden signalisierten, dass sie ebenfalls Interesse an einer Feierabendrunde hatten. Also gesagt, getan.

Kampenwandbesteigung, die zweite

IMGP0454 (Kopie)Um halb sechs Uhr abends marschierten wir bei Bombenwetter los. Weil wir es noch im Hellen hoch schaffen wollten, nutzten wir unsere guten Beziehungen zur Maisalm und erklärten diese kurzerhand zu unserem Ausgangspunkt. Der Weg ist technisch einfach und schlängelt sich in angenehmen Serpentinen gen Gipfel. So konnten auch meine Kollegen gut mit mir Schritt halten 😀 Es ist immer noch so heiß, dass ich schwitze wir ein Elch. Fällt aber den anderen zum Glück nicht auf. Nach einem kurzem Waldstück erreichen wir bald die Flanke des Berges, die uns einen tollen Blick auf die von der Abendsonne in Szene gesetzte Kampenwand gibt. Wahnsinn, was für ein Anblick. Ich mache sehr zum Leid meiner Begleitung alle 5 Schritte ein Foto. Ist ja schließlich immer ein bisschen eine andere Perspektive. Ich bin wie geflashed von dem Panorama und der abendlichen Stimmung. Meine Kollegen ebenso, so dass wir trotz Fotopausen irgendwie schneller werden. Das Felsmassiv zieht mich magisch in seinen Bann.

Nach der Alm geht’s ans Eingemachte, das letzte Stück bis zum Gipfel ist sehr steil. Spätestens jetzt muss ich mir anhören, warum ich meine Stöcke denn nicht nutzte und nur spazieren trage.

IMG_2901Hmm, weiß ich auch nicht so genau, aber ich hab ja gerad auch alle Hände voll mit der Kamera. Für die Kraxelpassage verstaue ich dann aber auch diese  und arbeite mit vollstem Körpereinsatz. Der Fels flößt mir Respekt ein, dass lass ich mir vor den Jungs natürlich nicht anmerken. Insgeheim staune ich über mich selbst – das habe ich damals im Schnee mit nur wenig Erfahrung gemacht? Interessant. Langsam suche ich mir genau die Griffe und Tritte aus, die ich brauche. Dank einiger Bouldererfahrung ist dass das reinste Vergnügen. Ich fühle mich wie eine flinke Gazelle in der Abendsonne. Nur nicht so haarig. Nach der kurzen etwas ausgesetzteren, seilgesicherten Passage sind wir auch schon auf dem Gipfel:

 

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Der Wind ist auf den 1600m etwas frischer, Zeit zum Anziehen. Und dann nur noch Genießen. Die Stille. Die Weitsicht. Ich merke, dass meine Begeisterung auch auf meine Begleitung übergesprungen ist. Das ist einfach nur schön. Langsam geht die Sonne neben dem Chiemsee unter. Rosamunde Pilcher kann mit ihren tosenden Brandungen wirklich einpacken dagegen. Zu uns gesellen sich zwei kletteraffine Mädels und später dann auch zwei Radler in auffällig enger Klamotte. Die meiste Zeit sind wir aber allein und genießen einfach nur still den Moment.

Getankt mit Abendsonne und tollen Impressionen treten wir schweren Herzens den Rückweg an. Swen ist schon vorgelaufen und wartet an der Alm auf uns.

IMGP0566 (Kopie)Der Arme muss sich in Geduld üben, denn nun hat auch Ronny das Fotofieber gepackt. Gemeinsam bleiben wir alle 5 Schritte stehen und versuchen die untergehende Sonne abzulichten. Dementsprechend ist die Dämmerung schon fortgeschritten als wir letztlich wieder in unseren normalen Wandertrott kommen, so dass wir uns für den breiteren Forstweg als Rückweg entscheiden. Was für ein Glück, so kommen wir noch an der Alm vorbei, bei der wir sogar noch ein Radler und eine Schorle bekommen. Zufälligerweise war hier ein Radlergrillen gerade am Ausklingen.

IMGP0466 (Kopie)Die Stirnlampen brauchen wir kaum, da der Vollmond uns den Weg leuchtet. Das ist auch gut so, denn auf dem Weg stelle ich fest, dass ich zwar meine Kopfbeleuchtung mithabe, nur leider die Batterien trocken und warm im Hotel auf mich warten. Gute Vorbereitung ist echt was anderes.
Glühwürmchen leuchten uns den Weg, der Zwergelstern leuchtet ebenso am Firmament. Als wir wieder an der Maisalm ankommen ist es schon spät, nur noch als Frösche verzauberte Prinzen und wir sind unterwegs.

Was für eine tolle Feierabendtour. Danke Jungs, das machen wir bald wieder! 😀

2 Comments

  1. Thomas

    Toller Bericht und super Fotos! Ich habe erst eine Kampenwand-Besteigung: http://www.breitengrad66.de/2014/10/01/auf-den-gipfel-der-kampenwand/

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  2. Jens

    Ich oute mich jetzt mal: ich war noch nie auf der Kampenwand! Dein Bericht macht aber definitiv Hunger auf mehr. Nur lass das mit dem „Münchner Hausberg“ lieber nicht die Einheimischen hören…;-)
    Grüße
    Jens

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