Doch! Ich geh da jetzt allein hoch! – Die Vorzüge des allein Wanderns

Doch! Ich geh da jetzt allein hoch! – Die Vorzüge des allein Wanderns

Natürlich macht es Spaß gemeinsam mit Freunden oder Wanderpartnern auf Tour zu gehen, keine Frage. Aber manchmal geht es einfach zeitlich nicht. Deswegen zu Hause bleiben und nur von einer Tour träumen? Nein, auf keinen Fall! Zugegeben, das kam bis jetzt bei mir nur selten vor, aber es war jedes Mal überraschend bereichernd. Wie meine Tour zum Spitzstein diese Woche. Besonders interessant fand ich die Reaktionen im Vorfeld, Fragen wurden mir gestellt, über die ich natürlich auch schon nachgedacht habe. Erste Zweifel haben sich im wahrsten Sinne des Wortes aber schnell in Luft aufgelöst. Hier sind meine Top 4, die dafür sprechen, öfter mal eine Tour allein zu gehen.

#Einfach mal machen – die Freiheit der Wahl

IMG_0064Bei meiner Spitzsteintour war es eine ganz klare Sache: Ich wollte mich zu meinem Geburtstag unbedingt an einem schönen Berg-Panorama erfreuen. Dieser Tag lag nunmal mitten in der Woche, da hat bekanntlich niemand Zeit. Außerdem sollte es der einzige Tag mit Sonnenschein sein, et voila hatte ich den perfekten Zeitpunkt gefunden. Die freie Wahl des Zeitpunktes ist eines der großen Vorteile des allein Wanderns, man geht einfach los, wenn man soweit ist. Naja, oder wenn die Öffis fahren. Auch die Entscheidung über das Ziel trifft man völlig allein. Man kann soviel Fotos schießen und solange auf dem Gipfel sitzen bleiben, wie man möchte ohne dass jemand nörgelig wird und man ein schlechtes Gewissen haben muss. Toll!

#Hinter jeder Kurve eine Emotion – der Weg ist das Ziel

Das klingt etwas abgedroschen, aber so ist es wirklich. Während ich mich auf dem schneebedeckten Serpentinen-Weg durch den Wald gen Spitzsteinhaus schlängele, konzentriere ich mich auf jeden meiner Schritte, die ein Knirschen des Schnees verursachen. Lausche meinem Atem – schnaufe ich wirklich immer so? Höre die Vögel zwitschern – ja haben wir denn schon Frühling? Freue mich wie ein Schneekuchenkönig als ich endlich auf die Idee komme meine Schneeschuhe unterzuschnallen, um nicht mehr so tief einzusinken. Spüre wie mein Herz einen freudigen Hüpfer macht, als sich das paradiesische Panorama vor meine Füße legt. Das sind alles kurze Momente oder Eindrücke, nichts Besonders aber dennoch sehr einprägsam.

FullSizeRender (3)Alle Sinne sind geschärft, man nimmt die Umgebung und sich selbst ganz anders wahr. Ich hatte auch zwei brenzlige Momente, wo mein Herzschlag kurz aussetzte – aber auch das gehört dazu. Auf dem Rückweg habe ich mich kurzzeitig verlaufen, da man aufgrund der zahlreichen Spuren den eigentlichen Weg nicht mehr sehen konnte. Beim Gipfelanstieg war der letzte Teil sehr vereist, ich kam nur mühsam voran, mir wurde langsam mulmig. Kurz bevor ich die Entscheidung getroffen habe umzudrehen, kamen mir andere Wanderer entgegen, die mir versicherten, dass es nicht mehr weit wäre und der Weg sich besserte. Auch diese Momente habe ich überlebt, viel besser noch: Ich habe sie lösen können.

Ich glaube man nimmt seine Emotionen nicht so wahr, wenn man in der Gruppe unterwegs ist und das Tempo halten muss oder sich unterhält. Daher ist dies der für mich wichtigste Punkt. Ich spreche hier wohlgemerkt nicht vom „Nachdenken über sich und die Welt“ – dazu hatte ich gar keine Zeit, sondern einfach nur vom Beobachten der Natur und wie sie auf einen selbst wirkt.

#Interessante Begegnungen

FullSizeRender (1)Also wer in die bayerischen Alpen geht, der braucht sich mit dem Thema allein wandern eigentlich nur am Rande beschäftigen, hier ist man wirklich nie allein. Das geht schon bei der Hinfahrt los: Der Busfahrer freut sich sichtlich über seinen einzigen Fahrgast, verwickelt mich in ein Gespräch und fährt sogar ein Stückchen weiter als er eigentlich müsste, um mich direkt bei meinem Startpunkt in Sachrang abzusetzen. Beim Gipfelanstieg und auf dem Gipfel ist auch ziemlich was los. Noch während ich mich frage, wo die alle plötzlich herkommen, werde ich von einem Wanderer gebeten, ein Foto zu machen. Das nutze ich doch auch gleich, um an ein „Obwohl ich schweißgebadet und kaputt bin, pose ich jetzt mal vor dem Gipfelpanorama und tue so als wäre ich total relaxed “ – Foto zu kommen.

Die Krönung meiner Begegnungen war das Geburtstagsständchen im Spitzsteinhaus. Ich setzte mich auf die sonnige Terrasse und bestellte mir zur Feier des Tages einen Kaiserschmarrn. Die schrägen Blicke der netten älteren Herren, als sie mein Geburtstagsschnäpschen sahen, brachten mich dann doch dazu, den Hintergrund zu verraten. Und siehe da, schon fingen sie an zu singen 🙂

#Das unglaubliche Gefühl danach

Abendbild
Es ist nicht alles nach Plan gelaufen. Ich musste auf dem Rückweg ziemlich rennen um meinen Bus noch zu erwischen. Die Hälfte des Weges hatte ich die Schneeschuhe auf dem Rücken und beim Gipfelabstieg öfter mal Schneekontakt. Und dennoch oder vielleicht auch gerade deswegen war es ein intensiver Tag, der mir trotz beginnendem Muskelkater und dem Gefühl total platt zu sein am Abend ein Lächeln aufs Gesicht zauberte. Genauso muss das sein. Ich war stolz auf mich und zufrieden. Auch wenn mich viele vorab schräg angeschaut haben und es sicherlich noch tun werden, wenn ich ihnen später davon erzähle.

Man sollte sich viel öfter einfach die Zeit nehmen, wirklich das zu machen, wozu man gerade Lust hat. In diesem Sinne: Traut auch auch mal allein auf Wanderschaft zu gehen und freut euch auf das was passieren wird!

Auch andere Blogger wie Angelica von Wandernbonn oder Ulligunde, die auf dem Hiking-Blog über ihr Erfahrungen berichtet, haben sich mit dem Thema beschäftigt und geben wertvolle Tipps.

2 Comments

  1. Karin

    UUuuuahh…ich habe ehrlich gesagt gerade nicht mal Lust, zu zweit auf den Berg zu gehen.
    Wird wohl das erste Mal im Allgäu werden, dass ich mir die Schneeschuhe umschnalle. 🙂

    LG, Karin

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  2. Anni

    Ich wette du konntest dich begeistern lassen Karin! Ich hab auch etwas gebraucht wieder „reinzukommen“ nach Jahren ohne Bergen und Wandern.
    Jetzt bin ich so weit, dass ich zu meinem Freund gesagt habe: ich wünsche mir nichts anderes zu Weihnachten als ein cooles neues Outfit für unsere nächsten Touren in 2016 😀 finde Sportkleidung gibt einem auch immer nochmal einen zusätzlichen Motivationskick! Und
    online bestellen, spart einem dann immer noch ein paar Euros!

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