Abenteuer Vulkan: Der Abstieg zum Pico Viejo

Abenteuer Vulkan: Der Abstieg zum Pico Viejo

Ruhetage während einer Urlaubsreise werden bekanntlich überbewertet. Mein letzter Tag im Hochland von Teneriffa sollte ganz gechilled ablaufen. Zumal mein verletzter Fuß sich nach einer Woche wandern doch ganz arg beschwert. Also dieses Mal keine große Tour, nur das Panorama genießen. Letzteres hat hervorragend geklappt. Nur habe ich dabei doch insgesamt 800 Höhenmeter zurückgelegt. Und ich bereue keinen einzigen Schritt. Aber von vorn:

Unverhofft kommt oft – der Abstieg auf den zweithöchsten Gipfel Teneriffas: Pico Viejo

Ich parke meinen kleinen Mietwagen ganz brav vor der Seilbahn, die zum Teide hochführt, mit der festen Absicht nur hochzufahren und die Aussicht zu genießen. Das Hochlaufen habe ich ja schon hinter mir, aber das Panorama auf den ganzen Nationalpark ist einfach einmalig und ein super Abschluss meiner Reise in die kanarischen Hochgebirgszüge. Meine Wandersachen habe ich natürlich trotzdem an, nur zur Sicherheit.

Da ich beim Aufstieg von rechts gekommen bin, beschließe ich bei meinem jetzigen Gipfelbesuch, die linke Flanke zu erkunden. Ein angelegter Weg führt mich relativ schnell vom Tourigetümmel weg in den westlichen Teil des Parks. Der Himmel ist so schön wolkenfrei, dass man heute die benachbarte Insel „La Gomera“ ganz deutlich sehen kann.

Panoramaweg Pico Viejo

Der Weg ist angenehm, und zu früher Vormittagsstunde noch wenig begangen. Eine Frau fragt mich, wie weit denn der Pfad noch führen und ob er sich verschlechtern würde. Ich scheine wohl irgendwie wissend auszusehen mit meinen Bergschuhen und meiner Fliesmütze. Die meisten laufen hier mit Flipflops und Sonnenbrille rum. Haben wohl vergessen, dass es auf 3.000m etwas frischer sein könnte.

Nach einer halben Stunde erreiche ich den Aussichtspunkt, der einen wunderbaren Blick auf den zweitgrößten erloschenen Vulkan der Insel präsentiert: Dem Pico Viejo.

Soll ich, oder soll ich nicht? Das ist hier die Frage

Weg zum Pico Viejo

Memo an mich: Das ist mein Ruhetag. Vor mir erstreckt sich das wunderbare Panorama des Teide-Nationalparks. Und: Der erloschene Krater samt umliegender Lavalandschaft des Pico Viejo. Ich wage einen Schritt auf den unwegsamen Pfad, der direkt vom Viewing-Point abgeht.

Bis zur nächsten Kurve kann ich ja mal gehen. Ganz langsam und entspannt. Die Fleecemütze ist mittlerweile gegen meinen feschen Wanderhut eingetauscht, die Sonne brennt selbst auf dieser Höhe ziemlich. Der Lava-Pfad ist der unwegsamste, den ich in der ganzen Hochgebirgszeit hier erlebt habe. Wie gut, dass ich den Weg nicht komplett gehe. So laufe ich langsam vor mich her und setze mich nach einer halben Stunde auf einen schwarzen Lavahaufen, um die Ruhe zu genießen.

Die dauert allerdings nicht lange. Ein Däne und seine zwei Kinder kommen vorbei. Sie bieten mir einen Keks an, ich scheine wohl irgendwie ausgehungert auszusehen. Als ich erzähle, dass ich wieder umkehre, habe ich wohl einen Nerv meiner Mitwanderer getroffen. Er präsentiert sichtlich stolz seine selbstprogrammierte Touren-App und versichert mir, dass ich doch schon über die Hälfte des Weges geschafft hätte. Verdammt. Ich komme ins Grübeln und setze mir letztlich eine Zeit, zu der ich auf jeden Fall wieder umkehren muss, um ganz easy die letzte Bahn zu schaffen. Die Dänen haben keinen Zeitdruck, da sie komplett ins Tal absteigen wollen.

Am Krater des Pico ViejoSo kommt es, wie es kommen musste. Ich erhöhe das Tempo, angefixed durch das nahende Ziel und erreiche dann letztlich doch noch den Krater des besagten Vulkans. Und ich muss sagen: Der Abstieg hat sich wirklich gelohnt. Das Gestein des Kraters schimmert in den unterschiedlichsten Rot- und Schwarztönen. So etwas habe ich noch nie in natura gesehen. Ich treffe auf einen 70jährigen deutschen Wanderer, der mich am Krater fotografiert und mir stolz erzählt, dass er auch komplett absteigt. Respekt! Den habe ich allerdings auch vor meinem bevorstehende Wiederanstieg, der von hier unten doch sehr bedrohlich aussieht.

Ich mache mich zu meiner anvisierten Zeit wieder auf den Weg und treffe die kleine Familie wieder. Sie kommen langsam aber stetig voran. Ich bedanke mich nochmals bei ihnen, ohne den kleinen Anstubser wäre ich bestimmt nicht komplett bis zum Krater abgestiegen. Der Weg ist von der anderen Seite doch etwas schwieriger zu finden, wie gut, dass ich genug Zeit habe. Im Nebel will ich hier echt nicht hochgehen müssen. Nach einer gefühlten Weile kommen mir immer mehr Menschen entgegen. Ein klares Zeichen dafür, dass ich wieder nahe an der Zivilisation bin. Ich schaffe locker die Bahn nach unten und kann auf dem Panoramaweg noch ein letztes Mal den Ausblick genießen. Mein verletzter Fuß streikt. Wie gut, dass am nächsten Tag die Fahrt zur Küste und keine weitere Wanderung auf dem Plan steht.

Auf dem LavawegFazit: Manchmal muss man einfach seinem Wunsch folgen. Auch, wenn er auf den Pico Viejo führt.

Ich bin so froh, dass ich diese Tour gemacht habe. Und das an meinem Erholungstag. Ohne Begleitung hätte ich das wohl nicht durchgezogen. Schon gar nicht ohne den Keks. Wieder einmal hat sich gezeigt – die ungeplanten Erlebnisse zählen im Nachhinein dann doch zu den schönsten und spannendsten.

Ich kann diese Tour wirklich wärmstens allen Teneriffa-Hikern empfehlen.

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