Abenteuer Nordsee: Matschidylle, Leuchttürme und Wasser am Horizont

Abenteuer Nordsee: Matschidylle, Leuchttürme und Wasser am Horizont

„Hier gibt es jede Menge – nichts. Ach ne, Weitsicht natürlich“. Das waren meine ersten Gedanken, als ich mit meiner Freundin voller Erwartungen auf den Deich sprinte. Während der Wind unsere Haare zerzaust, blicken wir auf kilometerweiten Strand, Matsch und ein paar verirrte Grashalme. Wir können die Nordsee ganz hinten am Horizont erahnen, richtig sehen tun wir sie aber nicht. Ein hölzerner schmaler Steg führt uns zu einem der zahlreichen Stelzenhäusern. Nachdem wir bestimmt eine halbe Stunde gelaufen sind, haben wir auch schon den Strand erreicht. Und sehen ganz weit hinten ein bisschen Meer. Die Nordsee scheint gerad Ebbe zu haben. Hier werden wir also unsere freien Tage verbringen.

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Was im ersten Moment etwas unspektakulär klingt, übt bald schon eine ungeheure Faszination auf mich aus. Wann hat man das schon, einen freien Blick auf den Horizont und wunderbar klare, stürmische Luft. Ohne Hochhäuser, Strommasten, kilometerlange Auto-Schlangen. Hier gibt es einfach nur uns, den Deich, irgendwo die Nordsee und ein paar andere verrückte Touris. Unser Base-Camp heißt St. Peter Ording. Ein beschauliches Touri-Domizil, was zu dieser Jahreszeit fast etwas verlassen aussieht. Zum Glück haben die ganzen Restaurants aber schon auf, verhungern werden wir wenigstens nicht.

Wer jetzt denkt, wir hätten nur gechilled und Mädchengespräche geführt, der täuscht sich. Haben wir natürlich auch. Zudem sind wir aber auch auf Tour gegangen. Denn in der rauen Seeumgebung gibt es jede Menge zu entdecken:

 Leuchtturm in Westerheven

20160330_115734-2-2 (Kopie)Leuchttürme fand ich schon immer faszinierend. Wie majestätische weiß-rot geringelte Wächter trohnen sie über rauer See, zuweilen dem matschigem Wattenmeer oder auch an Flussläufen. Eines meiner Highlights hier in der Umgebung ist der Leuchtturm in Westerheven. Wir überlegen kurz, ob wir hinlaufen sollen, es zeichnen sich ziemlich dunkle Wolken am Himmel ab. Da er so nah erscheint, entscheiden wir uns dafür. Später stellen wir fest – das mit den Distanzen hier täuscht. Sehr sogar.

IMGP5800 (Kopie)Wir brauchen über eine Stunde, um den geringelten Turm zu erreichen. Der Wind bläst so stark, dass wir uns schon richtig gegen ihn anlehnen müssen, um vorwärts zu kommen. Die Stille wird nur durch das Möwengekreische und unser Geplapper unterbrochen.

Es haben sich nur wenige auf den Weg gemacht. Besteigen können wir den Turm letztlich leider nicht, der Spaziergang durch die Salzwiesenlandschaft hat aber schon allein seinen eigenen Reiz. Und natürlich die friedlich grasenden Schaffamilien, die sehr dekorativ die Deiche verzieren.

 

Kulinarische Erlebnisse in Stelzenhäusern

Flanieren im Flachland ist gefährlich! Nach 2 Tagen Wattenmeer- und Stranderkundung lacht sie mir frech ins Gesicht: Eine riesige Blase mitten auf meinem Zeh. Meine Alpenüberquerung hab ich mit weniger Blessuren überlebt. Egal, ein echtes Outdoor-Girl kennt keinen Schmerz und läuft bepflastert fröhlich weiter.Stelzenhaus (Kopie) Echtes Urlaubsfeeling entsteht bei mir immer durch langes Wandern und Erkunden der Umgebung und natürlich durch ortstypisches Essen. Das heißt in diesem Fall: Fisch in allen Variationen. Besonders angetan haben es mir dabei die Stelzenhäuser am Strand als Futter-Location. Von hier aus kann man prima das Spiel der Gezeiten und den Sonnenuntergang beobachten. Außerdem sorgen die erwähnten langen Stege dafür, dass man garantiert noch einen ordentlichen Verdauungsspaziergang einlegen muss, um wieder das Festland zu erreichen.

In der Strandbar 54 genießen wir leckere Waffeln und ein spritziges Kaltgetränk. Die Seekiste – mein absoluter Favorit – liegt etwas weiter südlich auf der Böhler Sandbank. Allerdings sollte man hier auch unter der Woche reservieren. Das haben wir nicht getan und daher nur einen Platz auf der Sonnenterasse bekommen. Glühweintime 🙂

Bootsfahrt nach Pellworm

IMGP6272 (Kopie)Eine Bootsfahrt gehört für mich einfach dazu, wenn ich am Meer bin. So fuhren wir zu den Fähren am Nordstrand und schipperten mit der Fähre nach Pellworm. Auf der Hinfahrt leisten uns Robben Gesellschaft, die sich faul auf einer Sandbank in der Sonne räkeln. Was für ein Anblick.

Pellworm – diese grüne Insel lädt zu ausgedehnten Wanderungen oder Radltouren ein. Man kann aber auch einfach so wie wir auf dem Deich flanieren und frische Fischbrötchen und Deichlimo genießen.

Die Hinfahrt bei Ebbe dauert ca. eine Stunde, während die Rückfahrt bei Flut nur eine halbe Stunde dauert. Die Wanderung zum Leuchtturm haben wir in diesem Fall ausgelassen, das mit den Distanzen ist auch hier so eine Sache.

Kleinstadtidylle in Husum und Friedrichshafen

IMGP6146 (Kopie)Wer auf der Suche nach Souvenirs oder etwas mehr Action ist, dem sei ein Ausflug in das nahe gelegene Husum oder auch in das Städchen Friedrichshafen ans Herz gelegt. Wir hatten Glück und konnten die Krokusblüte im Husumer Schloßpark erleben. Wahnsinn – ein einziger Teppich voller lilaner Krokusse, soweit das Auge reicht. Das ist hier im Frühling eine absolute Attraktion. Shoppingfans finden zahlreiche kleine Läden, die jegliche Sorten von Tees, Minileuchttürmen und Sanddornschnäpsen zum Verkauf anbieten.

Fazit Abenteuer Nordsee: Absolut empfehlenswert

Nehmt eine Mütze oder einen Hut mit und vergesst eure Frisuren, die halten bei dem kontinuierlichen Nordwind sowieso nicht. Auch solltet ihr nicht unbedingt mit dem Lauftraining anfangen. Hab ich eigens für euch getestet und für nicht gut befunden. Tempotraining bei Gegenwind macht einfach keinen Spaß.

Ansonsten ist der hohe Norden sehr zu empfehlen, um einfach mal raus zu kommen, lange Spaziergänge zu machen, wunderbare Luft und Landschaft zu genießen und die Gedanken mal so richtig treiben zu lassen.

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