10 km Wet-T-Shirt SportScheck Stadtlauf

10 km Wet-T-Shirt SportScheck Stadtlauf

Bereits letztes Jahr habe ich meinen persönlichen Lauferfolg gebührend gefeiert. Prinzipiell bin ich auch heimlich immer noch dabei. Dementsprechend wollte ich meine Laufkarriere an den Nagel hängen. Man soll ja aufhören, wenn’ s am schönsten ist. Wie ihr dem Beitragstitel entnehmen könnt, wurde aus diesem Plan allerdings nichts. Als meine neuen, hochmotivierten und sporty Kollegen eine Gruppenanmeldung für den diesjährigen, 39. Münchener Stadtlauf planten, war ich plötzlich doch wieder mit von der Lauf-Partie. Ist ja noch massig Zeit zum Trainieren, dachte ich mir. Die Hitzewelle in München und meine über den Winter verlorene Fitness sorgten allerdings für sehr suboptimale Trainingsbedingungen. Der Termin des Laufevents kam dann auch wie immer sehr plötzlich.

Feucht-fröhlicher Stadtlauf in München

Bildschirmfoto 2017-06-25 um 18.07.09

Foto: Oliver Farys

So stehe ich also mit schlotternden Knien mit meinen Laufkollegen und noch über 1.000 anderen Verrückten am Start. Viel zu weit vorne, im falschen Startblock. Mit den neuen – auch sehr lässigen – Stadtlauf T-Shirts. Allerdings machen die sich nicht besonders gut bei dem unaufhörlichem Regen. Aber ich wollte ja schon immer mal bei einem Wet-T-Shirt-Contest mitmachen 🙂 Wie war das mit es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung? Nun, wir haben uns davon nicht abhalten lassen. Mein Handy ist allerdings ertrunken, und mit ihm die Beweisfotos. Ein bisschen Schwund ist eben immer :-/

Nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit im falschen Startblock stehen, ging´s dann auch irgendwann los. Die Shirts kleben da schon figurumschmeichelnd am Körper, so nass sind wir bereits beim Warten geworden. Nils Schumann gibt wie immer den Startschuss, die Füße laufen los, die Ereignisse und mein Gedankenkarussell überschlagen sich. Das lässt sich in etwa so zusammenfassen:

Kilometer 1

Nochmal den Kollegen „viel Erfolg“ gewünscht, dann Ruhe im Karton. Ich muss Energie sparen. Ab jetzt sag ich nix mehr. Warum überholen die mich denn alle? Ach ja, falscher Startblock, da war ja was. Bloß nicht aus dem Konzept bringen lassen, einfach nur den Rhythmus finden und atmen. War die Ludwigsstraße eigentlich schon immer so lang?

Kilometer 2

Bildschirmfoto 2017-06-25 um 18.11.31

Foto: Oliver Farys

Englischer Garten – was für eine Schlammschlacht. Hört das heute nochmal auf zu regnen? Warum ist hier so wenig Platz, ich kann mich gar nicht richtig entfalten. Meine Füße sind nass. Jetzt schon. Na toll. Ich schalte passenderweise den Song „It´s rainy man“ ein. Das macht wenigstens gute Laune.

 

 

Kilometer 3

Sind wir bald da? Wo sind denn Julia und Rini. Die waren doch gerade noch da. Ok, vielleicht ein bisschen Gas geben, die sind bestimmt schon weiter vorne. Neben mir prustet ein Läufer, der sieht nicht gut aus. Bei Kilometer 3 sollte man noch lächeln können. Ich versuch’s dann selbst gleich mal. Oh ne, das kostet zu viel Energie. Einfach ohne Lächeln weiterlaufen.

Kilometer 4

Ich habe Seitenstechen, das gibt´s doch nicht. Ich bin so ein Amateur. Ich habe Durst. Und irgendwie keine Lust mehr. Sehr kurvig die Strecke, da kann man ja nicht in seinen Rhythmus kommen. Mein Handy geht nicht mehr, jetzt hab ich nicht mal mehr Musik. Läuft bei mir.

Kilometer 5

Die Hälfte ist geschafft. Juhuu. Ich warte sehnsüchtig auf die Verpflegungsstation. Die kommt für meinen Geschmack etwas zu spät. Ich schnappe mir ein Becher Wasser und versuche zu laufen und zu trinken. Klappt prima, zum Glück ist mein Shirt ja schon nass. Bloß nicht stehenbleiben und dem Körper signalisieren, dass er in den Ruhe-Modus darf. Noch nicht.

Bildschirmfoto 2017-06-25 um 18.16.28

Foto: Oliver Farys

Kilometer 6

Ich habe gar kein Tempo- und Zeitgefühl mehr. Ich sehe nur, dass ich nicht die Letzte bin. Das war das Ziel. Am Rande stehen Fotografen. Ich glaube ich habe noch nie so seltsam ausgesehen. Nasses, weißes Shirt, knallroter Kopf. Aber immerhin: Der Mascara hält.

Wo sind Rini und Julia? Vielleicht hole ich sie noch ein. Ich versuche etwas schneller zu werden. Es sehen hier aber auch alle gleich aus: Nasse Haare, nasse Shirts, da ist es schwer jemanden zu identifizieren.

Kilometer 7

Keine gute Idee, das mit dem schneller laufen. Mir wird schwindelig und mein Fuß fängt an zu schmerzen. Oh no. Ich werde zum Glück abgelenkt durch ein Pärchen. Sie zetert ihn lautstark an, er solle nicht so schnell laufen, dass würde sie so nicht ins Ziel schaffen. Ich schmunzele innerlich. Wer noch Kraft zum Zetern hat, der schafft auch die letzten 3 Kilometer noch.

Kilometer 8

Das war meine längste Distanz in meinem „Training“. Ab jetzt heißt es beißen bzw. mal schauen, wie das den Füßen so gefällt. Wobei – irgendwie habe ich meinen Rhythmus noch gefunden. Besser spät als nie. 2 Kilometer vor dem Ziel und die Kräfte schwinden dann doch. Ein motivierendes Mantra wäre jetzt gut. Mist, ich hab keins.

Neben mir läuft wieder ein Pärchen. Er gibt die Instruktion, dass sie locker bis zur Unterführung laufen und dann einen Zielsprint einlegen soll. Gut, denke ich mir, prima Idee. Da mach ich doch gleich mit.

Foto: Oliver Farys

Foto: Oliver Farys

Kilometer 9

Ich höre die Musik vom Veranstaltungsgelände. Yeah, gleich geschafft. War bei der Unterführung aus dem Englischen Garten schon immer eine Steigung? Gemeinheit! Das bringt mich völlig aus dem Flow. Ich warte lieber noch mit dem Sprinten solange, bis ich den Zielbogen sehe.

Da ist er, ich sehe ihn. Jetzt Gaaas geben.

Kilometer 10

Bildschirmfoto 2017-06-25 um 18.19.26Geschaaaafffft. Ich lebe. Es ist noch alles dran. Wahnsinn, was für ein auf und ab der Gefühle. Ich versuche beim Zieleinlauf zu lächeln und irgendwie lässig zu schauen. Ich denke nicht, dass mir das gelungen ist. Macht nix.

Ich suche die anderen, kann aber niemanden finden. Die sind bestimmt schon durch. Da ich nasser als nass bin und Angst habe mich zu erkälten schnappe ich mir meine Sachen samt Finisher-Medaille und fahre nach Haus.

Zu Haus angekommen checke ich meine Zeit. Und BÄHM, abgefahren! 10 km unter einer Stunde: (00:59:26) gelaufen. Damit hätte ich nicht gerechnet. Ich freue mich riesig und bin sehr zufrieden mit mir. Glückwunsch an alle „O Sohle mio“-Läufer!!! Ihr seid der Wahnsinn.

Das nächste Mal wird trotzdem wieder vernünftig trainiert. Wenn es ein nächstes Mal geben sollte 🙂

One Comment

  1. P

    I like..man könnte sich fast zum mitleiden animiert
    Fühlen

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